Leserbrief

Ludwigshafen entledigt sich seiner Bauten

Zum Thema Hochstraße Süd:

Der Brückenabriss der Hochstraße Süd ist entschieden und das Abbruchunternehmen beauftragt. Dennoch bleiben Fragen offen, ob der Abbruch tatsächlich notwendig war. Als Gründe werden in einem Video der Stadtverwaltung Ludwigshafen „Defizite“ am Brückenbauwerk benannt, die sich aus statischen Nachrechnungen ergeben hätten.

Demzufolge wurde damals die Hochstraße dem Verkehr übergeben, obwohl „rechnerische Defizite“ vorlagen, von denen man wohl nichts wusste. Nach einer jahrzehntelangen Bewährungszeit wird nun die Hochstraße abgerissen und für die Ersatzmaßnahme müssen hohe Millionenbeträge aus öffentlichen Mitteln bereitgestellt werden. Gelder, die an anderen Stellen dringend benötigt würden und dies dazu noch in einer hoch verschuldeten Stadt.

Frage nach Verhältnismäßigkeit

Auch bei Standsicherheitsuntersuchungen sind Belastungs- und Langzeitprüfungen als Tragfähigkeitsnachweise möglich. Wenn also keine die Standsicherheit beeinflussende Schäden vorliegen, wäre ein Brückenabbruch nur aufgrund von Nachrechnungen verhältnismäßig?

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Entscheidungsträger nicht gewillt waren, Verantwortung für den weiteren Brückenerhalt zu übernehmen und sie sich mit dem Abbruch auf Kosten der Allgemeinheit absichern wollten.

Schließlich lassen sich von unten betrachtet auch keine wesentlichen sichtbaren Mängel feststellen. Mit seinen massiven rahmenartigen Ausbildungen weist die Hochstraße ohnehin eine sehr stabile Konstruktion auf, die durch auskragende gewölbeartige Strukturen an den Pfeilern noch verstärkt wird.

Oder liegen noch andere Gründe für den Brückenabriss vor, deren Bekanntmachungen nicht ausreichend waren? Jedenfalls bleibt der Brückenabbruch äußerst fragwürdig. Es ist enttäuschend, dass nach der Beseitigung des „BASF-Hochhauses“, der „Tortenschachtel“ und nun mit der „Hochstraße Süd“ wieder ein bautechnisch einzigartiges und überregional bekanntes Bauwerk von Ludwigshafen vernichtet wird. Ludwigshafen entledigt sich somit seiner Bauten, die einst Meilensteine der Bautechnik gewesen sind.

Besser eine Dammstraße

Da die arme Stadt Ludwigshafen mit Brücken offensichtlich keinen Erfolg hat, empfehle ich zukünftig, anstatt eines Brückenzuges eine Dammstraße herzustellen mit seitlichen Spundungen und kleinen Brücken nur an bedeutenden Straßenquerungen. Dann hätte man zwar keine ansehnliche Hochstraße, dafür aber geringe Unterhaltungskosten und solche Brückendesaster blieben in der Zukunft der Stadt Ludwigshafen erspart.

Harald Baumann, Mannheim