Leserbrief

Mannheims Stellung als Einkaufsstadt bröckelt

Zum Artikel „CDU will Fußgängerzone erweitern“ vom 28. September:

Manchmal muss man sich als Bürger schon die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, wenn die Politik sich aus den Dingen heraushalten würde. Da wird tatsächlich diskutiert, ob man Straßen in der Innenstadt sperren muss, damit die Lebensqualität steigt, obwohl man weiß, dass Mannheim den höchsten Wert aller Städte für die Akzeptanz als Einkaufsstadt besitzt.

Wie dieser Zeitung zu entnehmen war, stammen etwa zwei Drittel der Kaufkraft aus dem Umland. Dass solch ein Höchstwert nur zu erreichen ist, wenn die Erreichbarkeit mit jedem Verkehrsmittel gewährleistet ist, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Wo aber liegt dann eigentlich das Problem? Statt anzunehmen, dass dieser Wert andere Städte dazu bewegen wird, bei uns nachzufragen, was denn Mannheim so besonders macht, stellt man diesen wirtschaftlichen Erfolg hinten an und diskutiert, wie man verhindert, dass die Stadt weiterhin so beliebt und belebt bleibt.

Dabei ist natürlich wieder das böse Auto an allem Schuld. Mit diesem Mantra kann man ja zur Zeit jede Diskussion für sich entscheiden. Dass die Prosperität der Region damit aufs Spiel gesetzt wird, kann man ruhig vernachlässigen. Schon jetzt muss man befürchten, dass diese herausgehobene Stellung Mannheims als Einkaufsstadt bröckelt, weil die jahrelange tatenlose Ignoranz der Politik es geschafft hat, gleich mehrere Zufahrtsstraßen lahmzulegen.

Die Ausweichstraßen sind deshalb schon bis über den Anschlag hinaus belastet, wie man jeden Tag ab etwa 15 Uhr auf dem Luisenring in Richtung Ludwigshafen sehen kann. Während die Entscheider in vorherigen Jahrzehnten es geschafft hatten, eine Infrastruktur zu entwickeln, die dem hohen Fahrzeugaufkommen mühelos gerecht wurde, hat es das derzeitige politische Personal in kurzer Zeit geschafft, den Verkehrsinfarkt herbeizuführen.

Statt dieses Problem aber schnellstmöglich anzugehen, will man jetzt durch weitere Straßenschließungen die Verödung der Innenstadt beschleunigen. Wenn man sich sinnvoll einbringen wollte, so wäre es doch eher angeraten, Konzepte dafür zu finden, wie man die seit Jahren verwahrloste Breite Straße zwischen Markt und Kurpfalzbrücke wieder beleben kann, statt die durchaus gut besuchten Fressgasse und Kunststraße für den Verkehr zu sperren.

Ich selbst bin mit meiner Frau gerade deshalb nach Mannheim gezogen, weil hier die Fehler anderer Kommunen, in denen wir gelebt haben, nicht gemacht wurden. Dort hatte man schon in den 1970er Jahren damit begonnen, die Innenstädte verkehrsfrei zu gestalten. Der Effekt, den man heute sieht, ist der, dass fast ausschließlich noch Außengastronomiebetriebe in den Innenstätten betrieben werden. Das kann durchaus sinnvoll sein, wenn man bedeutende Kulturgüter, wie ein weltbekannter Dom oder Ähnliches in der Stadt vorhanden ist. Dann kommen die Touristen gerne und nehmen die gastronomischen Angebote an.

Davon kann aber in Mannheim kaum die Rede sein.

Reiner Körver, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/30UOkCf

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