Leserbrief

Leserbrief: Zum geplanten Bildungskonzept für die Gemeinde Königheim

Markante Folgen für Teilorte

Im Ringen um das Bildungskonzept der Gemeinde Königheim scheint nun am kommenden Mittwoch die Entscheidung zu fallen. In der öffentlichen Gemeinderatssitzung wird unter Punkt 1 dieses Thema behandelt. Falls für die Grundschule Gissigheim hierbei das Todesurteil gesprochen wird, hat dies vor allem für die kleineren Teilorte Pülfringen, Brehmen und Gissigheim, besonders aber für die Kinder markante Folgen.

Wie verlautet, soll in Königheim eine Ganztagesgrundschule eröffnet werden, bei der die Kinder während des ganzen Tages "beschult bzw. betreut" werden, ein Faktum, das den Eltern sicher noch nicht so recht bewusst ist.

Nach diesem ersten Schritt erfolgt in einem zweiten, von der Gemeindeverwaltung schon durchgeplanten Schritt die Zusammenführung aller Kindergärten nach Königheim. Das heißt, dass alle wohnortnahen Bildungsangebote für diese Teilorte verschwinden würden. Damit ist dann für die kommenden Generationen der "Point of no return" erreicht, es gibt keine Umkehr mehr!

Das Ausbluten der kleinen Teilorte ist somit vorgegeben. Dies bringt für die Lebensqualität in den einzelnen Teilorten gravierende Einschnitte. Daher würde es der Demokratie auf kommunaler Ebene gut anstehen, alle Bürger mit ins Boot zu holen (Bürgerversammlung!). In der kommenden Gemeinderatssitzung gibt es nun endlich für alle Bürger die erste und eventuell auch letzte Gelegenheit, sich mit dem Für und Wider auseinander zu setzten. Nein, es ist noch prekärer: Der Bürger darf die Debatte zuhörend verfolgen, das ist doch schon mal was Tolles! Erst im Tagesordnungspunkt, wenn alles über die Bühne gegangen ist, dann nämlich hat der Bürger das Wort. Ein eigenartiges Demokratieverständnis! Wagen wir doch mehr Basisdemokratie! Wo denn sonst kann Demokratie anschaulich gelebt werden, wenn nicht in kleinen Orten?!

Bei der Abstimmung im Gemeinderat wird man sich wahrscheinlich auf die Spielregeln einer parlamentarischen Demokratie berufen, wo gewählte Abgeordnete (hier Gemeinderäte) für alle anderen entscheiden. Hat aber nicht schon ein Großteil unserer Bevölkerung von einer bürgerfernen Politik die Nase voll, weil wie in Brüssel, Berlin und Stuttgart über alle Köpfe hinweg Politik betrieben wird? Hat man vielleicht schon etwas von Demokratieverdrossenheit und von Wahlmüdigkeit gehört? War die Wahlbeteiligung nicht auch bei der Bürgermeisterwahl 2008 in Königheim erschreckend gering?

Bei allen bisherigen Veranstaltungen mit Experten waren nur ausgewählte Gruppen wie der Gemeinderat, Elternbeiräte und Eltern der Schülerinnen und Schüler und der Kindergartenkinder eingeladen. Nicht ins Konzept passende Fachleute wurden nicht dazu geholt. Man fürchtete anscheinend die Diskussion und hatte Angst vor Argumenten wie sie Schulamtsdirektor a.D. Dr. Gerd Friederich (Igersheim), Bildungsexperte, Autor mehrerer pädagogischer Bücher und Berater der Ministerien in Stuttgart, in Schleswig-Hollstein und Bremen am 12. März in den Kronenstuben in Königheim im Gespräch aufgezeigt hat. Sein Aufruf lautete wörtlich: "Kämpfen Sie, kämpfen Sie um Ihre kleine Schule".

Wie er versicherte, kann in der heutigen Zeit nur in kleinen Klassen, in denen eine Vertrauensbasis zwischen Schülern und Lehrern besteht, Erziehung, Bildung und Wissensvermittlung gelingen.

Nach meiner Überzeugung sind Klassen mit bis zu 28 Schülerinnen und Schülern (auf diese Zahl soll er in den nächsten Jahren gesenkt werden) ein Verbrechen an den Kindern.

Daher ist es unverständlich, dass die Gemeindeverwaltung nur technokratisch denkt und lieber als kleine Klassen vor Ort eine zentrale Schule mit recht großen Klassen schaffen will, in denen Verhaltensdefizite und Auffälligkeiten nicht so gut erkannt bzw. therapiert werden können.

Übrigens stand der Gemeinderat schon vor genau 29 Jahren vor der gleichen Situation wie heute, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Damals haben Gemeinderat und Bürger gemeinsam sehr weise gegen die Schulverwaltung gestimmt zugunsten des Erhalts der Grundschule Gissigheim, was sich als ein Glück für alle Kinder der Teilorte erwiesen hat.