Leserbrief

Massenabholzung nie gekannten Ausmaßes

Zum Artikel „Bewegung im Streit um Bäume“ vom 9. August:

Mit Befremden habe ich den Beitrag und Kommentar von Thorsten Langscheid zur Rheindammsanierung gelesen. Er schreibt wörtlich: „Mit einer neuen Planvariante will das Regierungspräsidium (RP) bei der anstehenden Sanierung des Rheindamms weniger Bäume fällen, als bislang vorgesehen.“ Ein paar Zeilen weiter zitiert er die RP-Sprecherin Feilhauer mit „es könnten in dem Bereich etwa 50 Bäume erhalten werden“.

Mit diesen Formulierungen und der Überschrift „Bewegung im Streit um Bäume“ macht sich Langscheid zum Sprecher des RP und verkauft den Erhalt von 50 Bäumen als Erfolg – ganz im Sinne des RP. Das ist angesichts der geplanten Rodung von mehreren Tausend Bäumen im Waldpark geradezu ein Hohn. Im Kommentar heißt es dann: „Die Grundfrage ist, stabilisieren die Bäume den Damm oder sind sie ein Sicherheitsrisiko? Und, soll man sich an DIN-Normen und technische Regelwerke halten oder nicht?“

Hier zeigt sich, dass der Kommentator leider nicht verstanden hat, worum es geht. Die als Alternative zu den Plänen des RPs von dem renommierten Prüf-Ingenieur für Wasserbau Christian Schmidt vorgeschlagene Spundwand, die durchgängig in die Mitte des Damms versenkt wird, übernimmt vollständig die Hochwasser-Schutzfunktion des bestehenden Erddamms. Mehr noch: Diese Stahlwand ist noch sicherer als die Lösung des RP. Die strittige Frage, ob Bäume einen Damm stabilisieren oder nicht, stellt sich damit nicht mehr. Und: Selbstverständlich hält sich Christian Schmidt an die anerkannten Regeln der Technik und damit auch an die DIN-Normen – nachzulesen in seiner Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz am Rheindamm.

Eingriff in die Substanz

Als Bürger der Stadt und als Leser des „MM“ erwarte ich, dass sich die Tageszeitung einer 300 000-Einwohner-Stadt nicht oberflächlich, sondern differenziert und kritisch mit den Kahlschlag-Plänen des RP und den drastischen Folgen dieser Jahrhundert-Maßnahme für Mannheim auseinandersetzt. Sollte die vorgesehene Massenabholzung auf einer Länge von knapp vier Kilometern – mit Genehmigung der Stadt – umgesetzt werden, wäre das ein Eingriff in die Substanz Mannheims, wie es das in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat. Angesichts des Klimawandels ein unvorstellbarer Vorgang. Von Bernd Grimm, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2ZisxYn