Leserbrief

Mehr als ein Talent

Zur Theaterkritik „Vom Buch zum Stück“ vom 20. Juli:

Mit Erstaunen las ich die Kritik von Herrn Langhals zu einer Theaterpremiere bei den Nibelungenfestspielen in Worms. Mit dem Titel „Nibelungenfestspiele I – Max Urlacher zeigt ,Rückenwind’“ beschreibt er einen Theaterabend, den ich ebenfalls live erleben durfte und mich daher frage, ob wir dasselbe Stück gesehen haben.

Warum es ihn stört, dass zahlreiche Schauspieler sich heutzutage auch der Schriftstellerei zuwenden, weiß ich nicht, denn es gibt durchaus sehr lesenswerte Werke, die dadurch entstanden sind und viele Menschen haben mehr als ein Talent. Für Max Urlacher gilt das definitiv, denn er hat inzwischen vier Romane und zahlreiche prämierte Hörspiele veröffentlicht.

Unterhaltsame Geschichte

Die Bühnenadaption von Rückenwind habe ich am ersten von zwei Abenden im Theater „Das Wormser“ gesehen und war, wie das gesamte, übrigens sehr gemischte Publikum im ausverkauften Haus, begeistert. In nur 80 Minuten erzählte Max Urlacher eine unterhaltsame, stimmige und berührende Geschichte, die Herr Langhals als „schwach“ bezeichnete. Meiner Meinung nach funktioniert die Geschichte auf der Bühne ebenso wie im Buch. Wenn der Inhalt teilweise autobiografisch ist, ist es umso interessanter, wenn der Schauspieler sie selber lebendig werden lässt. Auch die sehr originelle und außergewöhnliche Begleitung durch Jakob Köhle mit seiner Ukulele wird von ihm nicht positiv erwähnt, sondern „dezent“ und „untermalend“ genannt.

20 Minuten Applaus

Das Publikum ist mitgegangen und hat die Darbietung mit Standing Ovations gefeiert. Am zweiten Abend dauerte der Applaus 20 Minuten. Davon ist in dem Artikel leider nichts zu lesen, obwohl die Publikumsreaktion in eine Theaterkritik hineingehört. Möglicherweise verdankt Max Urlacher die Uraufführung von „Rückenwind“ in Worms nicht ausschließlich dem Umstand, dass er 2015 bei den Nibelungenfestspielen auftrat, wie Herr Langhals zu bedenken gab, sondern der Tatsache, dass es ein gutes Buch und nun auch ein gutes Theaterstück ist.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2YXopsA