Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Mehr Hütte als Halle

Die Würfel oder Quadrate der neuen Kunsthalle hinter dem Kupfernetz erinnern zwar an die Innenstadt-Planken, aber das rechtwinklige Lichtraster, das sich bloß im hinterleuchteten Zustand an der Fassade abbildet, harmoniert eventuell mit dem einzigen Nicht-Jugendstil-Gebäude dieses teuren Pflasters (links vom Rosengarten). Dass auf den im ersten Entwurf vorgesehenen Tageslichteinfall von oben, über die Gänge / Zwischenräume aus Kostengründen verzichtet wird, ist kein geringer Nachteil der überarbeiteten Variante.

Das Kupfernetz wirkt im Modell wie Tüll, auch in den Plan-Ansichten wie hingehaucht (wenn hinterleuchtet), könnte jedoch in Wirklichkeit nach einer Grünspan-Phase nicht mehr kupfern, sondern rostbraun werden und den Bau später doch nur wie einen Containerbau aussehen lassen. Unabhängig von der geplanten Aluminium-/Kupferrohrnetz-Hülle stelle ich mir den gerade sanierten Billing-Bau ebenfalls in einer Hülle verpackt vor, diesmal dicht, um die Millionen und die Schätze vor Staubeinwirkungen zu schützen. Erschütterungen durch Sprengungen (der arme Brancusi-Fisch unter seiner nächtlichen Hülle!) sind leider nicht kalkulierbar, bisher haben die Innenstädter die Mannheimer "Demolitis" jedenfalls tapfer überstanden.

Spätestens nach diesem Siegerentwurf könnte man (wieder?) auf die Idee kommen, den Mitzlaff-Bau doch als Skulpturen-Kunsthalle zu bewahren und als Kern zu verwenden, ihn nach allen Seiten hin zu erweitern (ressourcenschonend und energiesparend), also eine "Hülle" aus zusätzlichen Räumen (mit oder ohne Terrasse) zu schaffen, modernste Haustechnik eingeschlossen. Mit heutiger Technik müssten auch die Ursachen für die Wasserschäden im Bunker zu bestimmen und zu beseitigen sein. Alternativ könnte man den Zwischenbau so zum Wasserturm hin weiter bauen, wie es Billing eben aus Geldmangel vorgesehen hatte (siehe Fotos, Pläne). Dadurch könnte über dem verbleibenden und zu sanierenden Bunker (Lager) ein Skulpturenpark (anstelle des Mitzlaff-Baus) entstehen. Eine höhere neue Gemäldegalerie wäre an einer anderen ebenfalls exponierten Stelle (z.B. aus der Eisenbahn sichtbar) auch für Vorbeifahrende ein Blickfang, und wahrscheinlich rentabler zu errichten.