Leserbrief

Mein „unkorrekter“ Name

Zum Thema Sarotti-Mohr:

Seit Wochen irritiert mich, welche Wogen das farbenfrohe, ein wenig eigenwillige Abbild von mir, das ich jüngst im Capitol bestaunen durfte, in der Mannheimer Öffentlichkeit (und gerade dieser!) hervorruft.

Ich kann nicht viel für den von meinen inzwischen verstorbenen Eltern mir gegebenen Namen „Mohr“. Habe mich lebenslang daran gewöhnt, was bis vor Kurzem leicht fiel, da sich niemand an meinem Namen mehr störte als im einen oder anderen (Ausnahme-)Fall an mir als dessen Träger. Seit einiger Zeit erscheint mir der nur vierbuchstabige Vorname „Rolf“ vor dem auch nur vierbuchstabigen Nachnamen „Mohr“ in Anbetracht des allgemein gewachsenen gesellschaftlichen Anpassungs- und Normierungsdrucks, der bisweilen auch unter dem rechtfertigenden Begriff „Korrektheit“ gehandelt wird, aus den zu erwartenden „korrekten“ Namenslängen-Vorstellungen heraus bedenklich: zu kurz.

Seither ziehe ich vor, von meinen Duz-Bekannten mit dem Vornamen „Sarotti“ angesprochen zu werden, also insgesamt in ansprechender Länge „Sarotti Mohr“. Politisch korrekt bin ich damit aber noch keineswegs; denn ich stelle fest, seit 35 Jahren in der chauvinistischsten Stadt Deutschlands zu wohnen: in Mannheim.

Auch da überlege ich, was ich tun kann, um niemandem unangenehm aufzufallen, nicht mit meiner puren Existenz, meiner Benennung, meinem Aussehen oder meiner Heimatgemeinde. (Rolf „Sarotti“ Mohr, Mannheim)

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