Leserbrief

"MM"-Leser über den Sarotti-Mohr

Zum Artikel „Der ,Sarotti-Mohr’ darf bleiben“ vom 28. Februar:

Ich bedauere die Entscheidung des Capitols, die Werbetafel hängen zu lassen, sehr. Das Capitol möchte mit seiner Entscheidung Raum für Auseinandersetzung mit Rassismus schaffen. Auf diese Art? Niemand wird in der Pause der Veranstaltungen im Capitol eine Diskussion über die Werbetafel der Bar anfangen.

Die betroffenen Menschen haben es bei der Veranstaltungsreihe versucht. Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, das Thema immer wieder am Laufen zu halten. Aber mit dem Verbleiben der Figur wird eine falsche Haltung der Capitol-Betreiber gezeigt. Wir sollten einen verantwortungsvollen Umgang mit eigenen Privilegien finden und die Möglichkeit wahrnehmen, verantwortungsvoll mit der eigenen Macht umzugehen und gegen Rassismus eintreten! (von Katja Hörner, Mannheim)

Es geht mir persönlich ziemlich auf den Geist, dass es immer mehr um sich greift mit diesem „Ach hoffentlich haben wir niemandem auf die Füße getreten“ von den Grünen, von diesen ewigen „Gutmenschen“ hier in Deutschland. Was wollen die Weltverbesserer eigentlich (wird die Welt dadurch besser)? Darf ich keine Bücher aus meiner Kindheit mehr lesen? Ich (Jahrgang 1958) kenne noch die „Zehn kleinen Negerlein“, den „Kleinen Muck“ und auch den Sarotti-Mohr und Negerküsse und den schwarzen Peter beim Kartenspiel und den schwarzen Mann, der einen holen sollte, wenn man nicht brav war.

Der schwarze Mann war für mich der Schornsteinfeger und kein Mensch aus Afrika. Auch bei einem Negerkuss wusste ich damals schon, dass mich keine Menschen aus Afrika küssen, geschweige denn, ich solche verzehre. Es kotzt mich im wahrsten Sinne des Wortes an, dass man bei Zigeunerschnitzel, Negerkuss, Polenböller und so weiter als Mensch, der andere diskriminiert, angesehen wird. Dagegen verwahre ich mich mit Entschiedenheit, zumal ich selbst einen Ehepartner mit Migrationshintergrund habe. (vonAngelika Kizilbey, Lampertheim)

Der Sarotti-Mohr ist eine Werbefigur ähnlich wie der Meinl-Mohr (Julius Meinl) in Österreich und sollte zu seiner Entstehungszeit (1920er Jahre) „Exotik“ versinnbildlichen. Dass man die Darstellung im historischen Kontext sehen muss, sollte eigentlich jedem klar sein. (von Andreas Wellstein, Mannheim)

Es reicht! Diese unsägliche Debatte wegen überinterpretierter „Political Correctness“ braucht wirklich kein Mensch. Ein Logo zu diskriminieren, das seit mehr als 100 Jahren existiert und seit Jahrzehnten unbehelligt im Capitol seinen Platz hat, finden wir völlig überflüssig, unangebracht und kontraproduktiv. Diese von einer Minderheit zur Schau gestellte Dauerempörung geht der großen Mehrheit gehörig auf den Wecker.

Wer ist denn beleidigt worden? Die fünf Prozent Zeitgenossen, die im Internet für die Entfernung des Sarotti-Mohrs oder die große Mehrheit von fast 95 Prozent, die für das Bleiben des Mohrs im Capitol gestimmt haben?

Vielleicht haben Sie die Auseinandersetzung in Potsdam über das Mohrenrondell im Schlosspark von Sanssouci mitbekommen. Die ebenso von Grün angestoßene Diskussion um die Bezeichnung „Mohrenrondell“ stieß in Potsdam auf Unverständnis. Oberbürgermeister Jakobs (SPD) nannte diese angebliche Diskriminierung völlig irrelevant. Unseres Erachtens könnte dies eins zu eins auf die Mannheimer Mohrendebatte übertragen werden.

Die Konstellation ist gleich Grüne-SPD. Herr Fontagnier und seine Partei sollen sich lieber mit echten Problemen wie zum Beispiel die Sanierung des Rheindamms mit geplanter Fällung von 2000 bis 3000 Bäumen beschäftigen. Das und andere sind wirklich wichtigere Themen, als den armen Sarotti-Mohr in die Enge zu treiben. Meine Freunde und ich hoffen, dass Herr Riehle weiterhin Rückgrat hat und Mut zeigt, die Kirche im Dorf und den Mohren unverändert (!) dort zu lassen, wo er bisher gewohnt hat. Nämlich über der Bar im Capitol. (vonMichael Rabold, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2TNFUNp