Leserbrief

Müssten zufrieden sein

Zu den Leserbriefen „Das sagen Leser zu ’Ungerechter Rente’“ vom 27. Juli:

Die Altersrente war von ihrem Ursprung her nie als „Absicherung des Lebensstandards im Alter“ gedacht. Sie hatte lediglich „Unterstützungs-Charakter“. Erst 1957 änderte sich dies, allerdings in Form des „Generationen-Vertrags“: Junge zahlen für die Alten, niemand zahlt für sich selber, sondern nur dafür, einen späteren Anspruch auf die Rente zu haben, ohne jeglichen Einfluss auf deren Höhe. Selbstvorsorge war und ist unbedingt vonnöten – wie auch immer. Einer der gedruckten Beiträge weist ja auch darauf hin.

Die aktuellen Renten werden von den beruflich Aktiven gezahlt und nicht von dem, was man im Laufe eines Berufslebens eingezahlt hat. Was die Besteuerung von Renten angeht – da wird so getan, als ob jeder Rentenbezieher von diesem gierigen Staat dazu herangezogen wird.

Auch hier wieder: Man zahlt nicht Steuern auf das, was man damals eingezahlt hat, sondern auf das, was man heute bekommt. Außerdem muss erst derjenige Steuern zahlen, der oder die mehr als 9000 Euro (beziehungsweise 18 000 Euro als Paar) bezieht, und davon können noch zahlreiche Ausgaben abgezogen werden.

Natürlich kann man eine „Bürgerversicherung“ einfordern. Ob die allerdings die Probleme lösen kann, ist eine große Frage. Es wird bei dieser Forderung nämlich übersehen, dass hierbei nicht nur diejenigen mehr werden, die in den gemeinsamen Topf einzahlen, sondern auch diejenigen, die daraus bedient werden müssen. Der „Mehrwert“ würde sich in Grenzen halten.

Was ist „gerecht“?

Beim Lesen der Beiträge fällt auf, dass viele Begriffe verwendet werden, die man durchaus diskutieren kann, ja, die man diskutieren muss. Was ist in diesem Zusammenhang „gerecht“? Was wäre eine „gerechte Altersrente“ für alle? Setzt das nicht voraus, dass es ein für alle „gleiches“ Einkommen gäbe? (Hatten wir das nicht schon mal in der DDR und wollen wir das tatsächlich?)

Wieso muss „der Staat“ die „Lebensleistung“ eines jeden Einzelnen „honorieren“? Dafür ist doch jeder erst einmal für sich selbst verantwortlich. Wir wünschen uns ja sonst auch eine soweit als mögliche Zurückhaltung dieser Autorität! Erst wenn dies nicht gelingt, muss die Allgemeinheit (also der Staat) tatsächlich helfend einspringen.

Wir Deutsche schauen ja gerne, wenn es um Themen wie Krankenversicherung, medizinische Versorgung, Schulbildung, und so weiter geht, „nach draußen“. Wäre es in diesem Zusammenhang nicht einmal interessant, sich in der Welt umzusehen, wie es dort mit der Altersrente steht und ob es dort irgendwo ein perfektes Modell gibt, das auf unsere Verhältnisse und Voraussetzungen übertragbar wäre? Und vielleicht stellen wir auch dabei fest, dass wir im Großen und Ganzen eigentlich noch ganz zufrieden sein müssten.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2K9f4d7