Leserbrief

Multichanneling statt Dämonisierung

Zum Artikel „Frustrierte Politiker befürchten ein Verkehrschaos“ vom 28. November:

Mit Entsetzen las ich nun schon den zweiten Artikel über den von der Stadt geplanten Rückbau der zweispurigen Straßen zwischen Planetarium und Neuostheim. Nach Aussagen des Herrn Sachs ergibt sich der einspurige Rückbau zwangsläufig und unabwendbar aus den derzeitigen Verkehrszählungen. Mit einem Unterton von „basta“. Ich könnte die angedachte einspurige Straßenführung vielleicht noch nachvollziehen, wenn eine neue, bislang nicht existierende Straße kostengünstig in einen Stadtteil gelegt werden soll. Warum aber die bereits existierende und entsprechend genutzte zweispurige Infrastruktur nun auf Teufel komm raus zerstört und ohne Not verknappt werden soll, verstehe ich nicht.

Radweg vorhanden

Ich könnte es sogar noch halbwegs verstehen, wenn es bislang dort noch keinen Radweg gab und dieser aufgrund eines (derzeit nicht ersichtlichen) riesigen Bedarfs irgendwo und daher nötigenfalls auf der Straße angelegt würde. Aber es gibt doch bereits einen Radweg, mit einem noch vielfach breiteren Fußweg zu seiner jeweils rechten Seite? Vielmehr müsste doch auch dieser bestehende Radweg, Herrn Sachs‘ reiner Zahlenlogik folgend, aufgrund der noch viel geringeren Auslastung „eindeutig überdimensioniert“ sein und gleichsam halbiert werden. Wird er aber nicht.

Nahverkehr heillos überfordert

Mannheim als Zentrum der Metropolregion wird auch künftig durch Zuzug, Nachverdichtung und Flächen-Neuversiegelung weiter wachsen. Und damit zwangsläufig auch die Waren- und Personenbewegungen im Stadtgebiet. Egal ob mit Verbrennungsmotoren oder künftigen E-Fahrzeugen. Der bestehende öffentliche Nahverkehr ist jetzt schon zu den Stoßzeiten heillos überfordert und vielfach unzuverlässig unpünktlich.

Unser Kind kann täglich ein Lied hierüber singen. Der jüngste Versuch, mit dieser weiteren Gängelung den Individualverkehr noch weiter nach dort zu verlagern, kann und wird nicht gut gehen. Stattdessen sollte auch dem Individualverkehr der bestehende Platz gelassen werden, statt ihn noch mutwillig zu beschneiden. Wie schon vielfach geschehen (Luisenring, Bismarckstraße, verlängerte Kunststraße) mit den unliebsamen Folgen von erst dadurch hervorgerufener unnötiger Staubildung und Schadstoffemission.

Kein Auto-Hardliner

Ich fahre übrigens seit 20 Jahren ganzjährig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und bin damit beileibe kein Auto-Hardliner. Dennoch muss mir die von der Stadt und Herrn Sachs vorgelebte Dämonisierung und dogmatische Gängelung des Individualverkehrs nicht gefallen. Es wird Zeit, auch mal wieder an die Fahrzeugfahrer zu denken, die aus vielerlei Gründen gar keine andere Wahl haben, als das Auto zu nehmen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2L0iKN1