Leserbrief

Naidoo bietet abgestandenes Gelaber

Zum Artikel „Naidoos Rauswurf bei RTL jetzt endgültig“ vom 13. März:

Nun ist wieder mal Mannheims berühmter Sänger unangenehm aufgefallen. Er wurde aus der Jury bei DSDS entlassen. Ein Gesangsvideo war bekanntgeworden, das rassistische oder fremdenfeindliche Aussagen enthalten soll. Dankenswerterweise hat der „MM“ den Text vollständig in seinem Bericht veröffentlicht, so dass sich jeder selbst ein Bild machen konnte.

Ich war schockiert und je öfter ich den Text las, desto verzweifelter wurde ich. Wie kann es sein, dass ein erwachsener Mann, ein berühmter Mensch, seine Unbedarftheit im Denken und Sprechen so ungeschützt veröffentlicht? Es ist einfach nur peinlich. Nein, das Politische ist gar nicht der Skandal, sondern die Sprache. Dieser abgestandene Pegida-Zorn, den Naidoo hier verbreitet, der tut sicher niemandem mehr weh; aus der Luft gegriffene, schwammige Behauptungen können auch nicht mobilisieren.

Primitive Alltagswendungen

In seiner unnachahmlichen Naivität behauptet er, dass die Fremden uns Deutsche schädigen, „meine Leute quälen“, dass „fast jeden Tag ein Mord geschieht“, dass die Kinder vor allem gefährdet seien beim „umkleiden / in der Sporthalle“ (?), aber keiner unternehme etwas gegen diese „Wölfe“. Deshalb: „Ihr seid verloren.“ Man muss sich den Text noch mal abschreiben, fein säuberlich in Gedichtform, damit man sieht, was das für eine Sprache ist. Hier spricht jemand, der schlimme Zustände zu sehen meint und zum Handeln auffordern will. Er hat aber größte Mühe, sich klar auszudrücken.

Jede Zeile zeugt von einer sprachlichen Dürftigkeit. Naidoo bietet Halbverstandenes in primitiven Alltagswendungen und schiefen Ausdrücken. Das ist niedrigstes Niveau. So sprechen Halbwüchsige im Streit untereinander: „Wenn doch, der kriegt‘s mit mir zu tun“. Oder die alte Nachbarin, die wilde Kinder ermahnt. Wie reimt der große Sänger: „Doch Hauptsache, es ist politisch korrekt / auch wenn ihr daran verreckt.“ Wie naiv ist er wirklich: „Und noch mal: Ich hab fast alle Menschen lieb . . .“ Es wird ganz klar: Naidoo ist zu einer politischen Sprache gar nicht fähig. Da ist nichts scharf beobachtet, genau beschrieben und zugespitzt formuliert.

In dieser Art Popmusik, im Rap, wird durchaus Umgangssprache verwendet und zwar besonders dreckig und schockierend. Das kann ästhetisch reizvoll sein, witzig und entlarvend. Was Naidoo dagegen bietet, ist abgestandenes, langweiliges, schwammiges Gelaber. Dieser Text, der Anstoß erregt hat, wird niemandem schaden außer ihm selbst.

Paul Puhl, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/39yuGQO

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