Leserbrief

Nationen bleiben unter sich

Zum Thema Café Journal:

Es wird lamentiert, dass ein Teil der Innenstadt von „den“ Türken beherrscht wird: Lokale, Brautmoden, Juweliere etc. Und warum gerade in den E-K-Quadraten? Ich kann mich sehr gut erinnern, als in den 1960er/70er Jahren die „Gastarbeiter“ nach Mannheim kamen. Kein Deutscher wollte mehr zur Müllabfuhr, Straßenbau usw. Dafür waren sie sich zu schade, man war wieder wer, konnte sich ein Auto leisten. Man zog in den Neubau, Hochhaus war angesagt.

Die Vogelstang entstand. Und die alten Häuser? Die konnte man noch sehr gut an die „Gastarbeiter“ vermieten. Die konnten sich mit dem Klo auf dem Zwischenstock und natürlich ohne Bad begnügen. Für die war ja schon fließendes Wasser (kalt natürlich) und ein Ofen der reinste Luxus. Dafür durften sie auch eine Luxusmiete zahlen. Statt die Altbauten zu renovieren, kassierten die deutschen Vermieter Unsummen.

Und da es in dieser Gegend, genau wie im Jungbusch und in der Neckarstadt-West, massenweise diese Altbauten gab, zogen hier auch massenweise „Gastarbeiter“ ein. Sie blieben, holten die Familien nach und wurden sesshaft. Sie zahlten Steuern in unsere Kassen und im Laufe der Zeit kamen auch sie zu Geld und eröffneten Geschäfte, kauften Häuser.

Dass sich gerade in den E-K-Quadraten die türkischen Mitbürger niederließen, kommt nicht aus heiterem Himmel. Schauen Sie sich Länder an, wohin Deutsche ausgewandert sind. Die haben Kontakt untereinander, gründen Vereine, feiern das Oktoberfest in Brasilien. Jutta Hagen, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2ZQHlwI