Leserbrief

Natur wird im Namen der Mobilitätswende zerstört

Zum Thema Radschnellweg:

Ein Szenario für das Jahr 2035: Ilvesheim meldet auch 2035 wochenlang andauernde Hitzewellen mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius. Die Wasserversorgung der Bevölkerung ist aufgrund jahrelanger Trockenperioden im Sommer nur noch stundenweise möglich. Gärten sind davon ebenso betroffen. Bäume sterben ab, Grünflächen versanden, die Tierwelt leidet mit den Menschen. Das kleine Naherholungsgebiet zu beiden Seiten des Kanals in Ilvesheim mit seinem besonderen Kleinklima ist fast verschwunden. Eine zweispurige Radschnellstraße am Neckarkanal in Ilvesheim wurde gebaut.

Dazu ein kleiner Rückblick: Der Radschnellweg am Neckarkanal wurde 2024, nach heftigen Protesten von Bürgen und gegen deren Widerstand, fertiggestellt. Sie verläuft weitgehend zweispurig auf betonierten Flächen. Fotos aus 2020 zeigen, dass die Spazierwege am Kanal, so wie noch 2020 vorhanden, mit Bäumen, Gehölzen aller Art, Grünflächen mit einer regen Flora und Fauna kaum noch existieren. Heute, 2035, stellen wir fest, dass die Mobilitätswende erfolgreich war.

Immer mehr Leute nutzen öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder, E-Bikes, (S-)Pedelecs. Zunehmend weniger Autos bewegen sich auf den Straßen. Der Brückenbau zwischen Ladenburg und Friedrichsfeld führte zu einer erheblichen Entlastung auf den Straßen von Ilvesheim. Das Verkehrsverhalten vieler Schnellradfahrer (+ E-Bikes, Pedelecs) ist von Beginn an unverändert: Sie nutzen in Ilvesheim wie bisher die direkte Wegeverbindung über die vorhandenen Autostraßen, nicht die dafür vorgesehene ausgebaute Strecke am Neckarkanal.

Hier trifft man eher die Freizeitradler, die die Nähe zum Wasser schätzen und sich mehr Bewuchs wünschen. Ausblick: Auf Druck der Bevölkerung beschloss der Gemeinderat aktuell den Rückbau auf eine einspurige Fahrradstrecke, die Neupflanzung von Bäumen und Gehölzen und begleitenden Grünflächen. Diese Renaturierung der Strecke wird von der Bevölkerung sehr begrüßt. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, um diese wiedergewonnenen Flächen gemeinsam mit der Gemeinde zu erhalten und zu pflegen.

Fazit: Vielleicht und hoffentlich wird dieses Szenario nicht von der Realität eingeholt werden. Aber genau dieser Blick in die Zukunft zwingt uns, heute aktiv zu werden. Aus diesem Grund ist die Bürgerinitiative „Kein Radschnellweg am Neckarkanal in Ilvesheim“ gegen die Versiegelung wertvoller Naturbestände. (von Elga Müller, Ilvesheim)

Mit vielen anderen sind auch wir, beide Anwohnerinnen am Neckarkanal, begeisterte Fans des Weges entlang dieser Wasserstraße am Neckarkanal. Es ist ein wunderbar erholsamer Weg, nicht nur für uns chronisch Kranke, sondern auch für viele andere: Familien, Kinder groß und klein, körperlich eingeschränkte Menschen und Senioren mit Rollatoren oder in Rollstühlen, Gassigänger, Jogger, Kleinkindergruppen, die den Spielplatz am Neckarufer besuchen, Radfahrer und ja, zuweilen auch rücksichtslose Schnellradfahrer.

Viele Senioren aus den anliegenden Seniorenheimen nutzen den Weg entlang des Kanals zum Spazieren, zum Schauen, Anhalten und Ausruhen auf den viel zu wenigen Bänken wie auch zum Reden, untereinander oder mit Vorübergehenden. Es ist eine entspannte Atmosphäre, man sieht sich und trifft sich dort zuweilen – auch Jugendliche – , und gerade jetzt zu den schwierigen Corona-Zeiten.

Wir können hier eine vielfältige Tierwelt sehen und beobachten. Es ist auch ein besonderes Kleinklima entlang des Kanals und das tut nicht nur Luft-, sondern auch Lärm- und Stress-geplagten Menschen einfach gut. Mit einem breiten betonierten Schnellradweg wird kaum noch Platz für uns bisherige Nutzer sein. Aus Sicherheitsgründen werden wohl Zäune gebaut werden müssen und die Strecke wird intensiv ausgeleuchtet werden müssen, damit den schnellen Radlern nichts passiert.

Und wo bleiben wir? Wie viel Platz wird uns noch zugestanden? Warum zerstört man im Namen der Mobilitätswende Natur in einem Naherholungsgebiet und grenzt auf diese Weise die bisherigen Nutznießer, Mensch und Tier, dieses kleinen Naherholungsgebietes aus? Diese Planung ist weder vorausschauend noch zukunftsweisend. Hier soll sehr viel Geld ausgegeben werden, das an anderer Stelle weitaus dringender gebraucht wird, gerade in diesen Zeiten. (von Silke Heinz und Geli Lösch, Ilvesheim)