Leserbrief

Nein zum Bußgeld

Zum Artikel „Männer oft Gurtverweigerer“ vom 22. Juni:

In Ihrem Zeitungsbericht fordert Herr Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine Erhöhung des Bußgeldes bei nicht angeschnallten Kraftfahrern. Dem muss entgegengesetzt werden, dass der Gurt nicht immer lebensrettend ist.

Ein mir bekannter Augenzeuge hatte einen tragischen Unfall gesehen. Schwerverletzt war ein Autofahrer nicht mehr in der Lage aus dem Auto zu steigen. Herbeieilende Helfer konnten die Autotür noch öffnen, aber den Gurt nicht mehr lösen, da Feuer im Innenraum des Autos ausgebrochen war. Ohne angelegten Gurt hätte man den Autofahrer noch aus dem Auto ziehen können, folglich ist er bei lebendigem Leib grauenvoll verbrannt.

Sicherlich gibt es viele Beispiele, bei denen der angelegte Gurt nachteilig oder sogar zu einem tödlichen Ausgang geführt hat. Aber trotz aller Negativbeispiele: Der Gurt ist in den meisten Fällen ein Lebensretter. Dies gilt vor allem bei Auffahrunfällen. Man sollte also unbedingt den Gurt anlegen. Wenn aber die Unversehrtheit des Lebens durch den Gurt nicht immer vorausgesetzt werden kann – und der Gurt sogar in einigen Fällen zu einer tödlichen Gefährdung wird, ist dann die gesetzliche Verpflichtung zum Gurt überhaupt rechtens?

Wo viel Sicherheit regiert, da stirbt die Freiheit, so heißt es. Um diese vermeintliche Sicherheit zu erreichen, werden wir zunehmend einem Paternalismus ausgesetzt, der uns Menschen bei Strafe vorschreibt, was wir zu tun haben, da es angeblich unserem Wohle dient. Wo aber bleibt unsere individuelle Freiheit?

Wenn jemand den Gurt nicht anlegt, gefährdet er sich, zumindest statistisch betrachtet. Genauso ist es aber auch, wenn er zu viel raucht, Drogen einnimmt, auf andere Art und Weise seinem Körper schadet oder ihn durch sein Handeln gefährdet. Ob man am Strandbad im Rhein schwimmen will, den Gurt nicht anlegt oder sich anderen eventuellen Gefährdungen aussetzt, es muss immer unsere eigene persönliche Entscheidung als freie Bürger bleiben und darf nicht in Bevormundung durch die Staatsgewalt enden. Vorausgesetzt die Sicherheit anderer Menschen wird nicht beeinträchtigt. Stattdessen sollte man mit Aufklärungsarbeit die Kraftfahrer zum Gurtanlegen auffordern.

Fazit also – ein Ja zum Gurt, aber ein Nein zum Bußgeld.

Harald Baumann, Mannheim

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