Leserbrief

Nur selten Europäer

Zum Kommentar „Hello, Goodbye“ vom 31. Januar:

Das Hauptproblem ist wohl, Ihre Sympathie für einen Teil der Briten wird nicht unbedingt im Umkehrschluss dort geteilt. Die deutsche Politiklosigkeit und die egoistische –von Brüssel nicht verhinderte – Wirtschaftspolitik sind auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Ein guter Teil Brexit hat sozusagen deutsche Wurzeln. Die britischen Medien haben ebenfalls eklatant dazu beigetragen, dass sich Herr Serif auf einen ähnlichen Weg begibt, ist schon fast symptomatisch. Ich muss oft an Peter Scholl-Latour denken, der immer wieder darauf hingewiesen hat, dass in den Redaktionen selten Europäer sitzen. Das bewahrheitet sich hier auch. Die EU ist für viele Meinungsmacher in Deutschland ein prima Absatzmarkt und natürlich auch für die guten Kunden in China, die mit den gelieferten Maschinen Produkte herstellen die dann zu Dumpingpreisen in die EU exportiert werden.

Außer Rotterdam und Antwerpen profitiert niemand von diesem Deal, vielmehr hat der Rest der EU diese Rechnung bisher bezahlt, besonders Italien. Die brauchen allerdings nur Monate um eine zusammengestürzte große Brücke wieder aufzubauen, nicht zehn Jahre! Und wer in Ludwigshafen und Umgebung wird eigentlich zur Rechenschaft gezogen? Und wer bezahlt seit Jahren das immens teure Gerüst, das die Mannheimer Bauverwaltung schützt? Und so sieht es wegen des irren Dogmas der schwarzen Null (Betonung auf Null) in ganz Deutschland aus, wobei eigentlich der viel kritisierte Herr Draghi die Null verursacht hat.

Nur weil Franzosen und Italiener nicht so einfältig sind, werden regelrecht Ressentiments geschürt. Wenn in Frankreich Madame LePen an die Macht kommen sollte, ist es aus mit lustig.

Robert David, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2SdCim5