Leserbrief

Ohne Natur können wir nicht überleben

Zum Artikel „Scharfe Debatte um die neue Trasse“ vom 30. September:

Ein großes Fragezeichen hinterlässt der Artikel und das Zitat von Herrn Schnellbach, demzufolge das Regierungspräsidium signalisiert hätte, man bräuchte nicht mit Hürden zu rechnen, auch wegen des großen öffentlichen Interesses. Wie kommt es zu dieser Aussage? Muss sich das RP neuerdings nicht mehr an Gesetze halten?

Fakt ist: Die Au ist ein Landschaftsschutzgebiet. Nach geltendem Recht unterliegen sämtliche Eingriffe in selbiges strengen Richtlinien oder anders gesagt: Sie sind nicht erlaubt! Demzufolge ist es verboten, in das Hochgestade einzugreifen oder dort gar eine Unterführung zu bauen, auch eine zusätzliche Versiegelung und irreparable, dauerhafte Eingriffe zum Beispiel durch Seilbahnpfosten sind nicht gesetzeskonform. Und für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Die geplante Trasse kostet über sieben Millionen Euro für knapp zwei Kilometer Radweg. Die alternative Trasse „außenrum“ kostet rund zwei Millionen Euro. Die gerne gebrachte Argumentation, man könne es den Radfahrern nicht zumuten, am Aubuckel – sauber getrennt von der Straße mit Grünstreifen dazwischen – langzuradeln, weil da zuviel Belastung durch Autos und Lkw besteht, ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der Anwohner des Aubuckels, die seit langem dafür kämpfen, nicht mehr Tag und Nacht die unerträglichen Lärm- und Feinstaubbelastungen aushalten zu müssen.

Auch wenn der Radweg Weinheim-Viernheim-Mannheim in ferner Zukunft vielleicht irgendwann 20XX einmal in Gänze realisiert wird – wie toll, wir werden in Mannheim ein superteures, unsinniges Teilstück desselbigen schon 2023 mitten durch ein Landschaftsschutzgebiet haben.

Christiane Säubert, Mannheim

Über den Radschnellweg durch das Landschaftsschutzgebiet „Feudenheimer Au“ wird in Mannheim schon sehr lange gestritten. Für unseren OB unbegreiflich, für ihn ist diese nicht gerade schmale, noch dazu beleuchtete Betontrasse mitten durch ein Landschaftsschutzgebiet ein Highlight, ein ökologisches Jahrhundertprojekt, der ökologische Fortschritt schlechthin. Wie sich das mit den Problemen des Klimawan-dels, des Naturschutzes oder mit der Erderwärmung vereinbaren lässt, bleibt sein Geheimnis.

Zum Glück regt sich in Mannheim aber Widerstand gegen den sich immer stärker ausbreitenden Betonwahn der politisch Verantwortlichen. Der Kampf „Grün“ sprich „Natur gegen die hemmungslose Betonierung und Zerstörung letzter Reste Natur“ nimmt immer intensivere Formen an. Wenn es uns nicht gelingt, diese gefährliche Betonwalze aufzuhalten, werden wir die letzten lebenswerten Reste Natur, wie beispielsweise das Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au, ohne Not zerstören.

Ohne Natur können wir aber nicht überleben. Kleingärten sind in den Metropolen unersetzbare Naturreservate, wichtige Bastionen gegen eine sinnlose Umweltzerstörung. Wir alle müssen uns endlich verabschieden von Größenwahn und Maßlosigkeit und zurückkehren zu einer Politik der Vernunft und Bescheidenheit. Auch in Mannheim sind Naturressourcen nicht unbegrenzt verfügbar.

Klaus Brückner, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/33RLL8A

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