Leserbrief

Organspende-Prozess ist untragbar

Zum Artikel „Organspende: Brauchen wir eine Neuregelung?“ vom 22. Januar und zum Leserbrief „Großes Befremden“ vom 17. Februar.

Mich befremdet schon seit Jahren die intensive Werbung um Organspender und die gerade aktuell verstärkte Diskussion aufgrund rückläufiger Spendewilliger. Ich muss Herrn Hauck enttäuschen. Es ist leider noch viel schlimmer als von Herrn Kadioglu dargelegt. Es geht in dieser Sache einzig und allein um ein Geschäft in Milliardenhöhe!

Organe werden zum Nulltarif entnommen und für teures Geld verkauft. Je mehr, desto besser. Es gibt in vielen Entnahme-Krankenhäusern mittlerweile eigens Transplantationsbeauftragte, deren Etat (man könnte auch sagen „Fangprämie“) in Deutschland 2015 auf 18 Millionen erhöht wurde.

Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, sobald ein Hirntod diagnostiziert wird, die Daten im Interesse Dritter nach Verwertbarkeit weiterzuleiten. Ich empfehle das Buch „Organspende, die verschwiegene Wahrheit“ von Richard Fuchs zu lesen. Befremdlich ist auch, dass von den Krankenkassen jungen minderjährigen Menschen ab 16 Jahren ein Organspendeausweis zugeschickt wird, ohne dass die Eltern darüber informiert werden.

Schlimmstenfalls erfahren sie es erst, wenn das Kind schwer verunglückt – und können dies nicht mehr rückgängig machen!

Herzfrequenz gestiegen

Auch in Schulen wird mittlerweile, teilweise schon bei Neuntklässlern, dafür geworben. Das ist die eine Sache. Eine andere ist das Hirntod-Konzept, das kritisch hinterfragt werden muss! Es gibt mittlerweile genug Belege, dass einige hirntote Patienten aus diesem Zustand wieder „erwacht“ sind und heute ein selbstbestimmtes Leben führen. Dies kann man im Internet recherchieren oder auch in dem Buch „Eine Träne hat mich gerettet“ von Angèle Lieby, einer Betroffenen, nachlesen.

Auf jedem Plakat, jedem Spenderausweis steht geschrieben, dass die Organe „nach dem Tod“ entnommen werden. Das ist unwahr! Organe sind nur brauchbar, wenn sie lebenden Menschen entnommen werden! Es wurde festgestellt, dass bei Menschen, bei denen Organe explantiert werden sollten, kurz vor der Operation beziehungsweise beim Einschneiden in die Haut der Blutdruck und die Herzfrequenz extrem anstiegen.

Auch ist es eine traurige Tatsache, dass es in Deutschland, anders als in der Schweiz, kein Gesetz gibt, den hirntoten Menschen zwingend zu narkotisieren, das heißt, die Organe werden womöglich bei vollem Bewusstsein beziehungsweise Schmerzempfinden entnommen! Mich würde sehr interessieren, wie viele dieser Ärzte selbst einen Organspendeausweis besitzen!

Zum Schluss möchte ich noch zum Nachdenken anregen, darüber, warum wir so viele Organe überhaupt brauchen. Das hängt ganz sicher in den meisten Fällen mit unserer Lebensweise zusammen: Rauchen, Alkohol, wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Stress. . . Und ich möchte auch hinzufügen, dass ich verstehen kann, wie dankbar Menschen sind, die ein Spenderorgan erhalten haben. Aber der ganze Prozess, wie er momentan ist, ist untragbar.

Es müssten entscheidende Dinge, wie beispielsweise eine sichere Feststellung eines unumkehrbaren Sterbevorganges (nicht der Hirntod), bei Spendewilligkeit eine Entnahme der Organe nur unter Vollnarkose, eine seriöse Aufklärung und vieles mehr geändert werden.

Ich teile nicht die Meinung von Herrn Hasan-Hüseyin Kadioglu, Organspenden grundsätzlich in Frage zu stellen! Am 3. Dezember 1967 wurde das erste Herz verpflanzt in Kapstadt und ich weiß nicht genau, wann es die ersten Organspendeausweise gab, aber auf jeden Fall hatte ich mit als Erste einen – jung wie ich war! Meine Mutter war Krankenschwester und hat mich ganz erstaunt angeschaut – auch stolz.

Für mich ist es selbstverständlich, dass ich anderen Menschen meine Organe spende, die sonst dem Tod geweiht wären. Viele prinzipielle „Neinsager“ sollten doch einmal in die Krankenhäuser gehen und sehen, wie verzweifelt Menschen jeden Alters auf ein Organ warten, und anderenfalls sterben müssten.

Einfach nicht informiert

Herr Hauck hat recht – hirntote Patienten haben noch einen Puls, weil sie beatmet werden. Wenn sie das nicht würden, wären die Organe ja in kürzester Zeit unbrauchbar. Und so ein Satz wie: „Man würde sterbenden, noch nicht toten Menschen Organe entnehmen“ finde ich schon sehr grenzwertig. Die Leute, die so etwas sagen, sind einfach nicht informiert.

Im Übrigen mögen die Menschen, die solche Totschlagargumente gebrauchen, doch selbst in die Krankenhäuser gehen und immer bedenken: ich, mein Kind, meine Frau – wir könnten die Nächsten sein.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2n6wQBx http://bit.ly/2ELjQs0