Leserbrief

Parkraum pro Wohneinheit sehr knapp bemessen

Zum Artikel „Weniger private Stellfläche, Verzicht auf Tiefgaragen“ vom 13. Oktober:

Im Artikel wurde über das Wohnungsbauprojekt Spinelli aktuell berichtet. Im Rahmenplan ist unter dem Stichwort „autoarmes Wohnen“ vorgesehen, einen Stellplatzbedarf von 0,8 Parkplätzen pro Wohneinheit durchgängig festzulegen. Wie bitte? Ein Auto lässt sich nicht so ohne weiteres aufteilen. Streit um die „Bruchteile“ ist vorprogrammiert.

Der Bürokratie ist mit solch einem Unsinn Tür und Tor geöffnet. Ich habe die dringende Bitte an die zuständigen Stellen, dieses Vorhaben noch nachzubessern. Schon ein Parkplatz pro Wohneinheit ist meiner Meinung nach sehr knapp bemessen. Bei einem neuen Bebauungsgebiet sollte der Parkraum eher zu großzügig als zu knapp geplant werden.

Mein Appell an die zuständigen Gremien umfasst auch das Bebauungsgebiet Franklin-Quartier, wo den Bauherren ebenfalls reduzierte Stellplatzschlüssel ermöglicht werden sollen.

Wie auch bei anderen Beispielen für eine massive Bebauung in Mannheim, gehen die Stadtplaner und Investoren bei den Wohnungsbauprojekten der Konversionsflächen Turley, Franklin und Spinelli ins „Volle“. Turley (Wohlgelegen); massive Bebauung, keine Rücksicht auf ursprüngliche Bebauung und Denkmalschutz.

Franklin (Käfertal-Wald): Massive Verdichtung. Vernichtung von bezahlbarem Wohnraum, indem intakte Mehrfamilienhäuser abgerissen werden.

Spinelli (Käfertal-Süd): 75 Prozent der geplanten 1800 bis 2000 Wohnungen befinden sich in bis zu fünfgeschossigen Häusern. Die Benennung ist einfallsreich: „Verdichtete Einfamilienhaus-Typologie“ und „Mehrfamilienhaus des Typs „Stadthaus/Parkvilla“.

Interessant bei der städtebaulichen Planung ist auch die Vorstellung, dass „sich die höher geschossigen Gebäude als klare Stadtsilhouette vom Landschaftspark abheben“. An einigen „markanten Stellen“ sind neben vier- bis fünfgeschossigen Häusern auch höhere Gebäude geplant! Wie passt eine solche Planung zu der bei der Buga-Planung ausgewiesenen Frischluftschneise?

Umweltbewusst zeigen sich die Stadtplaner anscheinend auch im Hinblick auf die private Mobilität der zukünftigen Bewohner. Sie gehen davon aus, dass es in Zukunft immer weniger privat genutzte Autos geben wird, und deshalb nur 0,8 Parkplätze pro Wohneinheit vorgesehen/ausreichend sind. Die Rahmenplanung sieht aber gleichzeitig vor, in dem Neubaugebiet drei Parkhäuser zu errichten (Tiefgaragen sind zu teuer). In diesen so die Erklärung des Fachbereichs Stadtplanung könnten Anwohner mittelfristig parken, falls sich herausstelle, dass doch mehr als die vorgesehenen 0,8 Stellplätze benötigt würden. Das wird sich sicherlich herausstellen!

Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass – nach der Landesbauordnung, die einen Stellplatz pro Wohnung vorsieht – ein niedrigerer Stellplatznachweis zulässig ist, wenn sozialgeförderter Wohnungsbau vorliegt. Dies gilt auch, wenn ein Bauherr nachweist, dass die künftigen Bewohner weniger als ein Auto pro Wohnung unterhalten. Es werden also vor allem bei angemieteten Wohnungen Parkplätze fehlen.

Die Vorteile einer solchen Planung liegen auf der Hand: Es wird massiv verdichtet und Wohnraum geschaffen, der möglichst lukrativ verkauft oder vermietet werden kann. Dazu zählen auch Parkhäuser, deren Nutzung nicht kostenlos sein wird. Der Mangel an Parkplätzen und das „Monopol-Parkhaus“ wird mit Sicherheit die Höhe der Stellplatzpreise bestimmen. Es ist beruhigend, dass die Planer zeitnah alternative Mobilitätskonzepte (Carsharing und E-Autos) bereitstellen wollen, nahezu völlig selbstlos und zum Wohle der Bewohner.

Übrigens wird zurzeit auch im Zentrum Käfertals eine derartige Planung umgesetzt: Hier entsteht ein Einkaufsmarkt mit Wohneinheiten, der in seinen Ausmaßen die Ortsmitte sprengt. Dazu kommen 75 Kundenparkplätze! Warum eigentlich, die Zukunft ist doch autofrei? Bäume und Sträucher müssen weichen und auch – ohne Notwendigkeit – soll der letzte dringend benötigte öffentliche Parkplatz entfallen. Alle Bewohner haben aber die Option, wie Investor und Stadtverwaltung betonen, Stellplätze in der entstehenden Tiefgarage des Marktes anzumieten.

Fazit: Bei Neubebauungen wird gewinnorientiert massiv verdichtet. Planungen, die zum Beispiel Anbindungen an das öffentliche Verkehrsnetz oder Straßennetz betreffen sind zweitrangig. Auch Einrichtungen wie Schulen – die Kinder der Bewohner Franklins müssen zunächst die Käfertalschule besuchen – haben keine Priorität. Die Stadtverwaltung gibt sich bürgernah, sozial, umweltfreundlich und – nicht zu vergessen – zukunftsorientiert. Das ist, um es vorsichtig zu formulieren, oft schwer oder nicht nachvollziehbar.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Ra6sDq