Leserbrief

Personalintensive Symbolpolitik

Zum Artikel „Heute so notwendig wie bei Beginn 1952“ vom 15. April:

Es ist offenbar die Zeit des öffentlichkeitswirksamen Pflanzens von Bäumen gekommen, zuletzt am Tag des Baumes. Auch ich freue mich über solche Nachrichten. Wenn für die Pflanzung eines Einzelbaumes fünf amtierende Stadträte und unsere Umweltbürgermeisterin Beistand leisten, dann könnten wir Bürger davon ausgehen, dass für die Bäume am Rheindamm zwischen Großkraftwerk und Lindenhof, wo tausende Bäume auf einer Fläche von sieben Hektar von der Vernichtung durch ein geplantes Dammsanierungsprojekt des Regierungspräsidiums Karlsruhe bedroht sind, weitaus größerer Beistand geleistet wird.

Doch leider, leider … der Projektverantwortliche aus Karlsruhe hat das geplante, brachiale Vorgehen als alternativlos und einzig Gefahren abwendend dargestellt und mit beängstigenden Szenarien argumentiert. Im Vertrauen auf die Aussagen des Planers leisteten Parteien und Naturschutzverbände wenig bis keinen Widerstand und schickten sich in das scheinbar unvermeidliche.

Für Erhalt der Bäume stark machen

Für den Projektverantwortlichen war es recht leicht, von Alternativlosigkeit zu sprechen, denn nach meinen Informationen hat er keine Natur schonendere Alternative bisher ernsthaft geprüft. Durch bürgerschaftliches Engagement initiiert und finanziert haben Experten für Damm- und Baumschutz Alternativen zum geplanten Kahlschlag bei gleicher Sicherheit des Dammes gesucht und offensichtlich auch gefunden. Spätestens daraufhin erwarte ich von unseren gewählten Vertretern und den Naturschutzverbänden ein vehementes, engagiertes Eintreten für eine Lösung, die die Sicherheit des Dammes mit weitestgehendem Baumschutz gewährleistet. Die Anwesenheit von mehreren Stadträten und der Umweltbürgermeisterin bei der begrüßenswerten Pflanzung von jungen Einzelbäumen könnte ansonsten von Bürgern als personalintensive Symbolpolitik missverstanden werden.

Ich wünsche mir dringend von Stadtrat, Verwaltung und Oberbürgermeister, dass sie sich – vor und nach der Kommunalwahl – gemeinsam mit der Bürgerschaft und über Parteigrenzen hinweg beim Regierungspräsidium für den weitestgehenden Erhalt tausender Bäume am Rheindamm stark machen – gerne auch durch die zeitnahe Beauftragung eines eigenständigen Gutachtens, wie es unser Oberbürgermeister in seiner Neujahrsansprache in Aussicht gestellt hat.

Wenn das alternative Vorgehen höhere finanzielle Kosten für das Land verursachen sollte oder auch nur damit argumentiert wird: Der Wert dieser Bäume im Waldpark Mannheims ist unschätzbar. Die Rettung tausender Sauerstoffspender und CO2-Senker sollte unserem Gemeinwesen außerordentlich viel wert sein! (Astrid Kronenberger-Stüber, Mannheim)

Info: Originalartikel unter; http://bit.ly/2YqhMza

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