Leserbrief

Pflegekräfte nicht allein lassen

Zum Artikel „Die Folgen des Pflegenotstands“ vom 2. Februar:

Dies ist ein wichtiges Zukunftsthema für alle Generationen! Liebe Schulabgänger, ihr seid auf der Suche nach neuen Erfahrungen, wollt euch ausprobieren, etwas für die Gesellschaft tun? Hier seid ihr genau richtig, im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder beim Bundesfreiwilligendienst (BFD), um ein wenig mehr Zeit und Menschlichkeit für die Patienten und Alten zu ermöglichen.

Nein, ihr könnt und sollt den Pflegenotstand nicht beheben, und ihr sollt euch auch nicht als Lückenbüßer für versäumte Investitionen und zu geringe Gehälter in der Pflege anbieten. Aber macht euch selbst ein Bild, wie die Zustände sind, und engagiert euch sozialpolitisch, ehrenamtlich, wie auch immer.

Wir brauchen eine Lobby. Menschen die aufstehen und unsere Politik unter Druck setzen: Das ist menschenunwürdig! Schade, dass mit dem Wehrdienst 2011 auch der Zivildienst weggefallen ist, offenbar ohne an die vielen hilfreichen Hände zu denken, die fast 40 Jahre lang zugepackt, Sanitätswagen gefahren, Rollstühle geschoben und einfach zugehört haben.

Danke an die aktuell etwa 44 000 Freiwilligen (Quelle: Bundesamt für Familie und sozialwirtschaftliche Aufgaben, vom 31. Januar 2018), die zumindest Empathie und kleine lichte Momente in den Pflegealltag bringen können. Lassen wir die vielen engagierten und oft erschöpften Pflegekräfte nicht alleine, solidarisieren wir uns und vor allem: Stehen wir endlich geschlossen auf, damit bedürftige Menschen in unserer Gesellschaft endlich eine wirkungsvolle Lobby bekommen!

Wenn wir uns als homogene große gesellschaftliche Gruppe wehren, kommt keine Bundesregierung an uns vorbei. Aber solange es nur Protestwellen hagelt, aber unsere Abgeordneten Pflegeberufe, Familien, Erzieher und so weiter gar nicht repräsentieren, werden wir wohl umsonst auf politische Konsequenzen hoffen.

Darum: Stehen wir auf, mischen wir uns ein, mischen wir mit! Dies wünsche ich unseren Jugendlichen, die sich als wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft einbringen können und ihren Platz in der Gemeinschaft finden. Und dies wünsche ich auch uns Mittvierzigern und Mittfünfzigern, um deren eigene Zukunft es geht. Jetzt müssen wir handeln und die Weichen für morgen stellen!

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2EsKPLU