Leserbrief

Politische Debatte nötig

Zum Kommentar „Nicht länger warten“ vom 4. November:

Mit großer Verwunderung las ich den reflexartigen Lobgesang auf den Verkehrslandepunkt (VLP) Mannheim, der gern auch als „regionaler Flughafen“ bezeichnet wird. Ob zu einer „starke(n) Wirtschaftsregion“ tatsächlich ein leistungsfähiger Flughafen gehört, muss in Zeiten einer globalen Klimadebatte und der Tatsache, dass mit dem Großflughafen Frankfurt und dem Flughafen Baden-Baden zwei leistungsfähige Flughäfen in unmittelbarer Nähe vorhanden sind, bezweifelt werden. Was jedoch, wie so oft, außer Acht gelassen wird: Wer trägt die Belastung für die mit Stolz beschriebenen Flugbewegungen (47 000!) am Mannheimer VLP?

Die Umlandgemeinden und deren Anwohner, die unter einer enorm gestiegenen Fluglärmbelastung zu leiden haben. Die Linienmaschinen donnern in niedriger Flughöhe ausnahmslos über die Dächer der Gemeinden Ladenburg und Ilvesheim, bevor sie die Bürger Seckenheims terrorisieren – gern auch mit Nachtflügen der TSG Hoffenheim. Dann wird der Nachtschlaf um 0.38 Uhr empfindlich unterbrochen, an Einschlafen ist zunächst nicht mehr zu denken.

Attraktive Infrastruktur

Fluglärm macht krank. Das ist eine Tatsache. Wenn solche Aspekte mit in die Diskussion aufgenommen werden könnten, würde sich zeigen, welchen Anachronismus dieser (seit Jahren als unsicherster Flughafen Deutschlands bewertete) im Ballungsgebiet des Rhein-Neckar-Raums angesiedelte Flughafen eigentlich im Jahr 2019 darstellt.

Ein Mitglied der Fraktion der Grünen im Mannheimer Gemeinderat hat sich kritisch über den Betrieb des VLP geäußert. Zu hoffen wäre, dass sich eine politische Debatte entwickelt, die alle Gesichtspunkte einer „attraktiven Infrastruktur“ berücksichtigt, statt unkritisch den Flugbetrieb für notwendig zu erklären.

Jörg Rademacher, Ilvesheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2KBWDgT

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