Leserbrief

Problematische Schlachtbedingungen

Zum Artikel „Es beginnt an der Theke“ vom 26. Juni:

Das Problem mit der Fleischwirtschaft geht über die Erzeugung und die Verarbeitung zum Handel. Jeder in dieser Kette versucht mit geringstem Aufwand einen maximalen Gewinn zu erzielen. Das ist legitim, solange im Rahmen der Vorschriften gehandelt wird, und genau da sehe ich die Probleme. Viele Vorschriften sind zu lasch, werden sehr großzügig ausgelegt und auch noch zu wenig überwacht. Missachtungen haben keine Konsequenzen! Allein eine Marktcheck-Sendung von vor drei Jahren im Zusammenhang mit der Eierproduktion zeigt absurde Zustände, die den Vorschriften entsprechen sollen. Und so ist es beim Fleisch auch. Allein die von Erzeugern geforderte Übergangsfrist zur Verbesserung der Zuchtsauhaltung sprechen für sich. Die Zustände in den Schlachthöfen braucht man im Augenblick nicht näher zu beschreiben, die sind jedem präsent.

Preis bestimmt die Werbung

Der Handel wird von nur wenigen Konzernen beherrscht, und die kennen in ihrer Werbung nur ein Argument, das ist der Preis. Und wer kann schon beurteilen, ob das was auf der Verpackung verbal oder durch diverse Label versprochen wird, auch wirklich stimmt? Und wir Verbraucher sind an der ganzen Misere schuld, das ist doch ganz einfach, zumindest für unsere Ministerin für Landwirtschaft! Wenn es einheitliche, europäische Vorschriften für Erzeugung und Verarbeitung geben würde und diese auch streng überwacht werden, ergäbe sich automatisch ein vernünftiger Preis, unter dem es dann einfach kein Fleisch gibt. Einen Mindestpreis oder eine Tierwohlabgabe bringt meines Erachtens keine Änderung, nur an irgendeiner Stelle noch mehr Gewinn. Auch ein Label ist zwar schön, aber noch lange keine Garantie, dass es dem Tier auch gut gegangen ist, wie in Bezug auf Eier die oben erwähnte Sendung von Marktcheck gezeigt hat. Ernst-Michael Jaeckel, Oftersheim

Ich verfolge die Berichterstattung über die Schlachtbedingungen im Zusammenhang mit der Coronakrise. Werkverträge, Ausbeutung von Mensch und Tier sind uns allen ja seit langem bekannt. Es beginnt aber nicht an der Theke. Da enden die Missstände. Die Schlachtung bei den Erzeugern wird immer mehr erschwert. Bei dem Landhof, wo ich einkaufe, wegen zu geringer Deckenhöhe des Schlachthauses! Jetzt fährt der Bauer noch nach Mannheim. Die Rinder sind dadurch natürlich mehr gestresst. Sollte Mannheim schließen, ist der Transport wohl nach Pforzheim oder Calw angedacht. Das wird dann wohl für den Bauer unrentabel und für die Tiere – also ein Rettungsbericht über den Mannheimer Schlachthof wäre mal positiv und nützlich. Oder verschwindet dieser still und heimlich, wo sich Mannheim gerade mit seiner Existenz schmückt? Carmen Katzenmeier, Oberhausen

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3gcNeda