Leserbrief

Probleme mit Weltklima eine Hypothese

Archivartikel

Zum Artikel "Kann die Energiewende gelingen, Herr Alt?" vom 18. Juni:

Glaubt Herr Alt eigentlich selbst, dass sie gelingen wird? Oder geht es ihm doch mehr darum, Deutschland zurück in ein Entwicklungsland zu transformieren? Dass CO2 das Klima messbar beeinflusst, ist immer noch nur eine Hypothese und kein Wissenschaftler hat sie bis heute bewiesen. Wenn es den Klimaschützern wirklich um das Klima ginge, würden sie nicht gleichzeitig mit der Dekarbonisierung unsere Kernkraftwerke abschaffen? Glaubt er wirklich, dass wir Großstädte wie Mannheim mit Windmühlen heizen können?

Um zu kochen und ihre Wohnungen zu heizen, werden die Bürger die letzten Bäume zwischen den Windmühlen fällen. Uns wird verschwiegen, dass das IPCC (Weltklimarat) in seinem letzten Bericht den Bau von Kernkraftwerken empfiehlt und nicht die Förderung der "Erneuerbaren", die man als zu ineffektiv und zu teuer einstuft.

Deswegen entstehen überall in der Welt neue Kernkraftwerke. So will Schweden jetzt zehn neue Kernkraftwerke bauen. Moderne Kernkraftwerke vom Typ IV sind sicher und hinterlassen nur sehr wenig und nach 200 Jahren abgeklungenen "Atommüll". Warum macht uns eigentlich kein Land unsere Version der "Energiewende" nach?

Bis zum Beginn der Faschingskampagne 2016/17 sind es noch fünf lange Monate. Da tut Herrn Alts Artikel zur Energiewende richtig gut: Denn beim Vortragen dieses Textes hätte eine imaginäre Sitzungskapelle viel Gelegenheit, lustige Pointen mit einem Tusch zu unterstreichen. Eine solche Ansammlung von Leerformeln, Gemeinplätzen, Halbwahrheiten und spekulativen Behauptungen auf einer halben Seite hat selbst für einen abgebrühten ehemaligen energiepolitischen Öffentlichkeitsarbeiter Seltenheitswert.

Fischen im Trüben

Der Sprachmagier Franz Alt, von dem in seiner Heimatregion das Pseudonym "Francesco Altini" bekannt ist, hat sich schon 1992 mit seinem energiepolitischen Kuriosum ,Schilfgras statt Atom' als fachlich nicht ernstzunehmender journalistischer Provokateur geoutet. Durch das TV befördert scheint für ihn die Devise zu gelten: Aufsehen erregen - egal wie!

Zu seinem wichtigsten, zwar formal richtigen, aber inhaltlich sinnlosen und deshalb demagogisch irreführenden Satz: "Die Sonne liefert mehr Energie, als wir brauchen." Die "Energiewende" will im Ergebnis Kernenergie durch sogenannte erneuerbare Energien ersetzen. Zu diesem Zweck müsste die Sonne mit Hilfe entsprechender Technik wie Photozellen einen rund um die Uhr das ganze Jahr hindurch gleichmäßigen Strom in der Grundlast, dem Sockel unserer Versorgung, liefern können, und das ist - für jedermann leicht einsehbar - unmöglich. Nichtsdestoweniger strahlt die Sonne mehr als genug Energie auf die Erde, aber in Form von Wärme, und das nützt der Energiewende herzlich wenig. Herrn Alts Sonnenphrase ist typisch für das Informationsgebaren der Wendemacher: argumentatives Fischen im Trüben.

"Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind" (Karl Valentin). Lieber Herr Alt, Sie sind so ein Optimist, denn die Energiewende - selbst wenn sie gelänge, was ich bezweifle - nützt nichts und reicht nicht aus, den (menschenwürdigen) Fortbestand unserer Art zu sichern. Ich bin 1943 geboren und habe zeitbedingt und dank einer guten Erziehung gelernt, mit Ressourcen sparsam umzugehen. Ich habe jedoch auch gelernt, dass die Dummheit und der Egoismus der Menschheit wirklich unfassbar sind. Wie die Masern verbreitet sich unsere Spezies (bald neun Milliarden) über den Erdball und die Löcher, die wir ins Netz der Biosphäre reißen, werden immer größer.

Für unsere zivilisations-/werbungsverursachten "Bedürfnisse" vergiften wir Böden, Gewässer, Pflanzen und Tiere (uns auch), zerstören sauerstoff-liefernde Wälder, betonieren beste Ackerflächen zu und den Rest vermüllen wir. Eine Energiewende würde vielleicht den Homo sapiens der technisch hochgerüsteten Nationen einige Generationen länger überleben lassen. Bis sich dann alle die Köpfe einschlagen werden beim Überlebenskampf.

Erst eine weltweite Katastrophe brächte die Menschen zum Nachdenken - sofern es noch welche gibt, die dazu in der Lage sind. Der Sonne ist es egal, ob sie noch drei oder vier Milliarden Jahre Energie liefern könnte. Wenn keiner mehr da ist, der sie mit Verstand gebraucht. Auch wenn es darauf nicht ankommt: "Mein Verstand sagt: sei Pessimist, mein Wille: sei Optimist" (Romain Rolland, franz. Schriftsteller).