Leserbrief

Prozesse zu Ende denken und Nachhaltigkeit im Blick halten

Zum Artikel „Wasserstoffautos: Bund sieht Industrie in der Pflicht“ vom 6. November:

Die Bundesregierung sucht jetzt verstärkt nach Möglichkeiten, Kraftfahrzeuge ohne Verbrennungsantrieb auf die Straße zu bringen. Sie will zweigleisig fahren, und setzt parallel zu Elektro-Pkws (mit Batterien als Energiespeicher) auch auf die Wasserstofftechnologie mit Brennstoffzellen. Der Bundeswirtschaftsminister argumentiert, dass man sich die gesamte Energiebilanz ansehen muss.

Auf den ersten Blick klingt das ganz vernünftig. Viel wichtiger ist aber, die Prozesse erst zu Ende zu denken, und auch die Nachhaltigkeit im Blickfeld zu behalten. Das aber vermisse ich sehr bei den Bundes-Verkehrs- und Wirtschaftsministern. Recht hat Herr Altmaier mit seinem Argument, dass es reinen Wasserstoff auf der Erde wenig gibt, man muss ihn erst – oft durch starke Energiezufuhr – aus Verbindungen lösen. Dabei können große Mengen von klimaschädlichem CO2 freigesetzt werden. Allerdings muss die erforderliche Energie selbstverständlich über Solar- und Windkraftanlagen gewonnen werden. Nachhaltig eben!

Deswegen sollten Politik und Industrie auf die Wasserstofftechnologie mit Brennstoffzellen setzen! Im Gegensatz dazu sind Elektro-Kraftfahrzeuge mit Batterien als Energiespeicher mit vielen Nachteilen behaftet. Lithium für die Batteriezellen ist endlich. Es wird vorwiegend in Südamerika gewonnen, zulasten der Landwirtschaft. Lithium muss über Tausende Kilometer zum Produktionsstandort der Batteriezellen (vor allem in China) transportiert werden. Von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein.

Das hohe Gewicht der Batteriezellen – je nach geplanter Reichweite 200 und 600 Kilogramm – lässt das Leergewicht der Kraftfahrzeuge und damit auch den Energieverbrauch erheblich ansteigen. Zudem liegen die Stromspannungen zwischen 400 und 800 Volt gefährlich hoch! Für die zahlreichen sogenannten Laternenparker gibt es keine Ladestationen vor Ort. Schon deshalb wird diese große Bevölkerungsgruppe kaum für einen Umstieg auf Batterie basierenden Elektroantrieb zu gewinnen sein.

Deshalb mein Appell an die Politik: Prozesse wirklich zu Ende denken und auch auf Nachhaltigkeit achten!

Johann Kose, Ladenburg

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Kx8Pzg

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