Leserbrief

Quälend und kontraproduktiv

Zum Leserbrief von Günter Eitenmüller vom 15. Mai zur Corona-Krise:

Ihre Zuschrift hat mich zutiefst verängstigt und verstört. Der Glaube, mich trotz meiner (multiplen) Behinderung und meiner ökonomischen Sinn- und Wertlosigkeit in einem kapitalistischen System dennoch als wertvoller Mensch fühlen zu dürfen, lässt mich täglich aufstehen und ganz wundervolle Dinge tun und erleben.

Über eine „Relativierung“ meines Lebens nachdenken zu sollen, empfände ich als quälend und kontraproduktiv und vor Menschen, die mir ein solches Denken „abnehmen“ wollen, graut es mir. Der sogenannte Lockdown erfolgte sicherlich nicht, um ein, zwei egoistischen oder egozentrischen älteren Personengruppen ein längeres Leben zu ermöglichen, sondern um eine aktuelle Überlastung unseres Gesundheitssystems zu vermeiden.

Das Coronavirus führt eben nicht zu einem friedvollen Einschlafen, sondern zu einem qualvollen Sterben. Also bitte, Herr Eitenmüller, falls Sie sich von der als Ihnen übertrieben empfundenen Fürsorge für unsere älteren Eltern und Freunde belästigt fühlen, engagieren Sie sich für Ziele, die Ihnen wichtiger scheinen und torpedieren Sie nicht unsere Arbeit, eine lebenswerte Welt auch für die nicht mehr ganz so Jungen zu schaffen. (von Hilde Bäuschlein, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3c7il7x