Leserbrief

Radfahrer brauchen reelle Verbesserungen

Zum Artikel „Radfahrer haben jetzt Vorrang“ vom 20. Mai:

Man gräbt die Gehwege auf, verlegt alle möglichen Leitungen, bestellt und verbaut hinterher neues Pflaster. An der Straße selbst werden an den drei Kreuzungspunkten rote Flächen für die Radfahrer angebracht. Hinterher nennt man das Ganze dann Fahrradstraße und verspricht laut „MM“, dass man dort nun künftig nebeneinander radeln könnte. Schwierig aber, wenn Autos in beide Richtungen fahren dürfen?

Es ist zwar vernünftig, bei Baumaßnahmen gleich alles Relevante mitzudenken, aber die Kosten von 630 000 Euro als Ausgaben für den Radverkehr zu verbuchen, scheint mir nicht angemessen. Ähnliches geschah bei der Radspur Bismarckstraße. Die Gesamtkosten lagen bei fünf Millionen Euro, wobei die Asphaltierung, die neuen Ampelanlagen, die Blindenführung und alles sonstige garantiert den Löwenanteil der Summe verschlangen.

Geld sinnvoll ausgeben

Ich finde, hier werden auf verschleiernde Art und Weise die Ausgaben für den Radverkehr unredlich in die Höhe geschraubt und letztlich Glaubwürdigkeit verspielt. Leider ist an dem eigentlichen Gefahrenpunkt Tattersallübergang selbst keine Lösung gefunden worden, denn der Radfahrer weiß mangels farbiger Markierung nicht, welche Spur nun für ihn gilt. Im Übrigen geht die Tattersallstraße bis zum Hauptbahnhof und auf diesem Teilstück ist bisher nichts geschehen.

Dass man die Radspur vor dem neuen Hilton entfernt hat und dem Hotel eine zusätzliche Fläche öffentlicher Straße „hinzugeschenkt“ hat, ist wohl niemand aufgefallen? Auch dem neuen Hotel in Q 7 wurde eine extra private Parkspur zugesprochen; wohl für wichtige V.I.P. -Gäste? Was die Radler wirklich brauchen, sind reelle Verbesserungen, objektivere Zahlen und Fakten und keine teuren Prestigeprojekte, die zudem Natur zerstören wie in der Feudenheimer Au oder im Pfeifferswörth. Das Geld sinnvoll ausgeben ist angesichts dramatisch sinkender Steuereinnahmen das Gebot der Stunde. Traumtänzereien und „Spaßprojekte“ (Feudenheimer Au, Spinelli) sollten wir uns nicht leisten, auch wenn dies viele nicht wahrhaben wollen.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2X7HhHO