Leserbrief

Realität sieht anders aus

Zum Artikel „Immer mehr können nur das Nötigste“ vom 9. Dezember:

In schöner Regelmäßigkeit wird uns in der Presse mitgeteilt, dass sich der Schulerfolg unserer Kinder im internationalen Vergleich eher im unteren Durchschnitt befindet. Die jüngste Studie bezieht sich auf das Grundwissen in Mathe, welches Grundschüler nach Absolvieren der Grundschule beherrschen sollten.

Mehr Personal gebraucht

Ein normal begabtes Kind, aus einer mittelschichtsorientierten Familie, wird die Grundschule nach vier Jahren mit einem guten Grundwissen verlassen und vorbereitet in die weiterführende Schule wechseln. Das bedeutet, dass zu Hause mit dem Kind regelmäßig Diktat geübt, Einmaleins trainiert und Hausaufgabenunterstützung stattgefunden hat. Für alle, die sehr zahlreichen, auch normal begabten Kinder, in deren Familien diese familieninterne Unterstützung des Schulunterrichts nicht stattfindet, funktioniert das System nicht.

Die Gründe, warum viele Familien diesen Anforderungen zu Hause nicht gerecht werden können, sind vielschichtig. Wie viele nationale oder internationale Untersuchungen, die immer zu ähnlichen Ergebnissen führen, brauchen wir noch, bis sich endlich in der Praxis etwas ändert? Zitat von Prof. Dr. Schaffner: „Vom Wiegen wird die Sau nicht fett.“ Die Grundschule (und nicht nur die Grundschule) braucht dringend mehr Personal, und der wichtige Ergänzungsbereich sollte nicht kaputtgespart werden. Wir sind in Deutschland darauf angewiesen, allen unseren Kindern die gleichen, guten Bildungschancen zu bieten. Es sollte keiner durch das Raster fallen und verloren gehen. Die Realität sieht leider anders aus.

(Ingrid Kasperth, Mannheim)

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