Leserbrief

Rechtsruck facettenreich und treffend dargestellt

Zum Debattenbeitrag „Wie gefährlich sind die Rechtsradikalen, Herr Quent?“ vom 31. August:

In der Tat ist der Rechtsruck unserer Epoche kein zufälliges Phänomen. Im Gegenteil, seine Spuren führen Jahrzehnte zurück. Herr Quent hat es facettenreich und treffend analysiert: Die ewig Gestrigen sind völkisch Verirrte, die solange insistieren, mit ihrer Sprache manipulieren, bis wankelmütige Zeitgenossen – zumindest oberflächlich betrachtet – von der zu Felde geführten Propaganda überfordert sind.

Es wird suggeriert, es geht um den Verlust Eurer Souveränität; eine naive, wie Herr Quent formuliert, Einschätzung. Trotzdem verstehen es diese Populisten blendend, Bürger zu instrumentalisieren, um ihre originären Ziele in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, abzulenken von der Unwahrheit, den profanen Darlegungen. Anhand von Beispielen – manchmal durchaus treffsicher – führen sie den Staat vor und indoktrinieren so, dass es nicht um Rassismus, Hetze ginge, sondern demokratische Auseinandersetzungen.

Dieses Vehikel scheint die Frucht zu sein, die Menschen anspornt, von ihr zu essen. Dabei scheuen einige AfD-Mitglieder nicht, tief in die Kiste der NS-Propaganda zu greifen; sie benutzen Metaphern aus der Tierwelt, um den Schwachen in der Gesellschaft die angebliche Brisanz der nationalen Lage zu verdeutlichen. Und was tun wir? Wir sind nicht taff genug, uns von diesem Gedankengut zu distanzieren und es verbal zu bekämpfen.

Es ist der Schwachpunkt in unserer liberalen Demokratie, der den Weg öffnete – noch immer öffnet –, bedrohliche Szenarien im Lande zuzulassen und so Ausgrenzungen anderer Ethnien kollektiv zu ermöglichen. Quent sagt es: Keine ethnische Gruppe, keine Kultur, ist frei von Fehlern – um welche Delikte es auch immer gehen mag. Doch es darf deshalb nicht geleugnet werden, ohne zu stigmatisieren, dass Geflüchtete und Einwandererfamilien in Deutschland schwerste Gewaltverbrechen begehen.

Dafür können – gerade von Rechtsradikalen wird es ständig missbraucht – weder einzelne Politiker noch der Rest der Zugewanderten verantwortlich gemacht werden. Einen Generalverdacht zu schüren wäre eine Verunglimpfung und in der Tat höchst fragwürdig. Stattdessen sollten wir den Mut haben, die Ursachen zu ergründen, Motive und eigene Fehlinterpretationen der Vergangenheit zu erforschen und uns letztendlich nicht scheuen, einzelne Täter aus diesen Reihen zu beschreiben – Ross und Reiter zu nennen. So, wie wir es in der deutschen Justiz mit Tätern aus dem eigenen Land tun. Es würde relativieren und den „Wölfen Beute zu machen“, erschweren. Herbert Reul, der nordrhein-westfälische Innenminister, ist hier auf einem guten Weg!

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2m6Pagl