Leserbrief

Rhein wird zum Rinnsal

Zum Artikel „Bürger wollen Bäume erhalten“ vom 5. April:

Ohne die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Lindenhof (BIG) wäre das Fällen tausender Bäume schon längst beschlossene Sache.

Das verdient die Anerkennung aller wirklich am Schutz der Natur Interessierter. Unverständlich ist das Fehlen des leitenden Direktors des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Stelter, und empörend geradezu die Abwesenheit der Umweltdezernentin Kubala (Grüne).

Was kann wichtiger sein?

Letztere entschuldigt sich wegen anderer Termine. Was kann denn für die Umweltdezernentin zur Zeit wichtiger sein als der Rheindamm? Wenn Stelter meint, er wolle sich nicht in den Wahlkampf einmischen, so ist das doch völlig neben der Sache, da sich keine Partei oder sonstige Liste für das Baumfällen ausgesprochen hat. Der vom Regierungspräsidium vorgelegte Plan der Radikalfällung ist mehr als erschütternd. Dass derFortbestand des unersetzlichen Baumbestands möglich ist, wurde auf der BIG-Veranstaltung verdeutlicht. Mathias Wagener, Mannheim

Vergleicht man die Höchstwasserstände der letzten 136 Jahre hier in Mannheim miteinander, so bestätigt sich der Klimawandel, und zwar entgegen der proklamierten Prognose der amtlichen Dammbau-Ingenieure. Die Höchstwasserstände fallen kontinuierlich seit anno 1882 und zwar sukzessive. Hinzu kommen in den letzten Jahren vermehrte Trockenperioden, die im Jahr 2018 gipfelten.

Dieser Fakt führt die Rodung von Bäumen in einer Auenlandschaft zur Erneuerung eines funktionierenden Damms ad absurdum! Großstädte benötigen solche Gebiete zur Luftverbesserung. Sie dienen des Weiteren zur Abkühlung des Mikroklimas in einer immer stärker versiegelten Urbanisation wie hier in Mannheim. So viel grundsätzlich zum Sinn des geplanten Vorhabens.

Das Hochwasser 2013 mit 8,35 Meter, das auf dem niedrigsten Stand der Hochwasserereignisse rangiert, kam zustande durch heftigen Neuschneefall in den Alpen und zwar im späten Frühjahr 2013 in Verbindung mit einem starken Tiefdruckgebiet und den damit einhergehenden Niederschlägen. Eine Situation mit der, aufgrund der steigenden Temperaturen, eher immer weniger zu rechnen ist, da die Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten seit Jahren klar nach oben geht, gemäß der Quelle des Deutscher Wetterdienstes.

Der Rhein wird natürlich auch durch Niederschläge gespeist, diese allein genügen aber nicht, um Hochwasserereignisse zu erzeugen, zumindest nicht hier am Oberrhein. Weiter flussabwärts, bedingt durch die zahlreichen Zuflüsse, ist die Gefahr nach wie vor gegeben. Dagegen werden aber Polder angelegt, um dort die Hochwassergefahr zu minimieren. Höhere und stabilere Dämme weiter flussaufwärts helfen dagegen aber ebenso nicht.

Wenn man die Grafiken des deutschen Wetterdienstes der vergangenen 19 Jahre seit Aufzeichnungsbeginn ins Auge fasst, bestärken die fallenden Pegel die meteorologischen Beobachtungen, speziell in Bezug auf die Niederschläge und auf die gestiegene Durchschnittstemperatur. Auf eine Zeitspanne von 100 Jahren gesehen ist dies nicht nur unwahrscheinlich, sondern eher sogar unmöglich.

Dieser Hintergrund lässt eine noch so durchdachte Ingenieurskunst, die sogar einen Dammverteidigungsweg vorsieht, obsolet erscheinen. Irgendwann werden sich unsere Kinder und Enkel (Stichwort „Fridays for Future“) einmal wundern, wieso man Natur zerstörte, um vermeintliche Sicherheit vor einem Fluss zu gewährleisten, der immer mehr zum „Rinnsal“ mutierte. Die Sanierung des Rheindammes hier in Mannheim ist auch möglich, ohne gleichzeitig die Natur zu zerstören. Susanne Geisler, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2PbPc1b

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