Leserbrief

Rheinau gewinnt Großen Preis

Zum Artikel "Berliner Büro erfolgreich" vom 26. Juli:

Peter Toussaint, Brühl: "Jetzt ist Rheinau dran" lautet die naive Botschaft einiger Stadtteil-Akteure, weil endlich der Marktplatz in Rheinau Mitte umgestaltet werden soll. Wäre Rheinau tatsächlich mal mit namhaften Investitionen dran und sollte der Stadtteil ernsthaft aufgewertet werden, so müsste deutlich mehr passieren als die Marktplatzsanierung. Zum Beispiel der Abriss des maroden Bunkers an der Wendeschleife, die komplette Umgestaltung des Karlsplatzes, die Sanierung der Feuerwache Süd (da geht es um Menschenleben) oder die Reduzierung der Belastungen durch den Hafen und so weiter.

Doch zurück zum Marktplatz. Bei einer fragwürdigen Bürgerbeteiligung, ohne transparente Kriterien und inhaltliche Debatte, konnten Vorschläge ausgewählter Planer (nach Abgabe einer Verschwiegenheitserklärung) eingesehen werden. Es wurden nachträgliche Termine angeboten, obwohl der Sieger-Entwurf schon feststand und der Presse vorgestellt wurde. Ob und wenn ja, welche Bürgerwünsche berücksichtigt wurden, blieb offen.

Liest man den "MM"-Bericht dazu, traut man den eigenen Augen nicht. Da wird ein SPD-Bezirksbeirat mit der unglaublichen Äußerung zitiert: "Ich würde das Denkmal am liebsten auf dem Friedhof sehen, wo es hingehört". Im Klartext: Das Denkmal soll vom Marktplatz entfernt werden, obwohl es den Gefallenen aus Rheinau im Ersten Weltkrieges gewidmet ist. Also den Großvätern, Vätern und Onkeln von heutigen Bürgerinnen und Bürgern. Ihnen zu Ehren und als Mahnung für kommende Generationen wurde dieses Denkmal errichtet. Es ist ein in Stein gemeißelter Hinweis auf ein trauriges Kapitel unserer Geschichte. Das kann man nicht auf einem Friedhof "verstecken". Diesem "Denk-Mal" gebührt ein exponierter Platz inmitten der Gesellschaft.

2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges. Dann wird wieder über den Wert des Friedens und über das Grauen von Kriegen geredet. Aber der Respekt gegenüber den Opfern erlaubt nach Meinung gewisser Leute zukünftig kein Denkmal mehr auf dem Marktplatz? Das ist geschichts- und pietätlos. Das aus den Reihen einer Partei, die vorgibt für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen?

Kein Widerspruch seiner im "MM"-Foto positionierten Parteigenossin war zu lesen. Traurig! Übrigens: Sieht man von den Abriss- oder Verlegungskosten dieses Vorschlags einmal ab, bleibt die Frage, welcher Mehrwert für den neugestalteten Marktplatz dadurch entstehen würde. Weitere Parkplätze, Sitzbänke oder Sträucher zulasten der Totenehrung? Solch ein unüberlegtes Geschwätz hat die gleiche "Qualität" wie die Forderung, beim Plankenumbau den Glaskubus mit den Namen ermordeter Juden zu entfernen und auf den jüdischen Friedhof zu verlegen. Unmöglich.

Auf die Gedenkstätte für Gefallene aus Rheinau zu verzichten, ist für die Mehrheit der Rheinauer unvorstellbar. Da kann man schon eher auf derartige Bezirksbeiräte in Rheinau verzichten, schließlich sind ja bald wieder Kommunalwahlen.

 

Helmut Losert, Mannheim: Mitte der 1920er Jahre kam in Rheinau die Idee auf, den Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein Denkmal zu setzten. Nicht sogenannten Kriegshelden, sondern jungen Menschen, die ihr Leben im Krieg gelassen haben. Vor 84 Jahren wurde das Mahnmal auf dem Rheinauer Marktplatz eingeweiht und seitdem steht es dort. Mahnt für den Frieden und ist für viele Rheinauer auch Identität stiftend. Wie alle Denk- und Mahnmale gegen den Krieg und das NS Unrecht in Mannheim, steht das Rheinauer Mahnmal im urbanen Raum, also mitten im Dorf, und ist nicht auf einem Friedhof oder im Wald versteckt. Als Kulturdenkmal steht das sogenannte Kriegerdenkmal unter Denkmalschutz. Für eine Verlegung ist die Zustimmung der Höheren Denkmalschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe erforderlich.

Dass es nun Einwohner gibt, die aus unerfindlichen Gründen das Denkmal von seinem angestammten Platz entfernen wollen, ist letztlich deren gutes Recht. Fordern kann man vieles und alles. Ungeschickt war nur, dass diese Forderung Eingang in die Ausschreibung für die Neugestaltung des Marktplatzes fand. Vom zuständigen Amt bei der Stadt Mannheim hätte man die Kenntnis der Rechtslage und der übrigen Denkmalstandorte erwarten können.

Von den 19 eingereichten Plänen waren so einige mit und einige ohne Denkmal. Ausgerechnet der Siegerentwurf hat das Denkmal überplant, wie es im Architektendeutsch heißt. Wenn das Siegerbüro nun auf seinem Plan "Marktplatz ohne Denkmal" besteht und die Höhere Denkmalschutzbehörde dem Abriss nicht zustimmt, dann hat Rheinau mal wieder den Großen Preis gewonnen. Und was passiert dann? Richtig: nichts! Alle Schlaglöcher auf dem Marktplatz bleiben uns erhalten.

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