Leserbrief

Rheinquerung als Zumutung

Zum Artikel „Radweg statt zweiter Autospur“ vom 24. September:

Dass sich, wie im betreffenden Artikel beschrieben, der Gemeinderat der Stadt Ludwigshafen gegen eine Aufgabe des erst vor Kurzem eingerichteten Radwegs stimmt, überrascht nicht wirklich. Mit einem Rückbau würde man eingestehen, dass man, angesichts der Verkehrssituation, eine falsche Maßnahme umgesetzt hat. Dass im Kommentar von Redakteur Thomas Schrott dies aber auch noch gut geheißen wird, geht an der Realität vorbei.

Der neue Radweg wird nicht in dem beschriebenen Maß genutzt und stellt nur einen neuen Flaschenhals, ähnlich der Widderenge auf Mannheimer Seite, dar. Er hätte, angesichts der bestehenden Probleme, jetzt nicht gebaut werden dürfen, da der größte Teil der Fußgänger und Radfahrer sowieso die andere Seite der Konrad-Adenauer-Brücke oder gleich die Kurt-Schumacher-Brücke benutzt.

Dafür fließt der Verkehr seitdem noch schlechter als vorher in Richtung Rheingalerie ab und wird auch noch von suboptimalen Ampelschaltungen behindert. Und das, obwohl eine Lösung für die Brückenproblematik in weiter Ferne ist. Autofahrer durch solche Verkehrsführungen in Zeiten wie jetzt zum Radfahren zwingen zu wollen, ist auch nicht der richtige Weg, denn viele können gar nicht auf das Fahrrad umsteigen, weil es die Wegstrecke, die körperliche Konstitution oder der notwendige Zeitaufwand nicht zulassen. Der ÖPNV bietet ebenfalls oft keine Alternative und so steigt nur die Frustration.

Jede Maßnahme begrüßenswert

Um sich ein Bild der Situation zu machen und besser entscheiden zu können, schlage ich vor, dass Gemeinderäte und Bürgermeister von Mannheim und Ludwigshafen jeweils ab sofort in der Schwesterstadt tagen. Dann würde die Lösung der Verkehrssituation mit Sicherheit Fahrt aufnehmen, da man dann zu den Betroffenen gehört und nicht mehr nur zu denen, die es immer nur besser wissen, ohne eine Vorstellung zu haben, wovon sie reden und was sie anderen abverlangen.

Ich pendle seit 40 Jahren über den Rhein, aber das, was den Autofahrern (die keine Alternativen haben) aktuell zugemutet wird, ist unbeschreibbar. Jede Maßnahme, die den Verkehrsfluss der Autofahrer in der jetzigen Situation erleichtert, spart nicht nur Zeit und Nerven der Betroffenen, sondern auch Emissionen wie Feinstaub und CO2 – und wäre daher absolut begrüßenswert.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2noRf8i