Leserbrief

Richtigstellungen vonnöten

Zum Leserbrief „Von grünen Menschenfeinden regiert“ vom 10.11.:

Herr Bleckmann scheint zum selbst ernannten Experten in Sachen Umwelt- und Klimaschutz avanciert zu sein. Leider sind auch dieses Mal wieder Richtigstellungen vonnöten: Ob die von ihm genannten NOx-Grenzwerte in ihrer Höhe gerechtfertigt sind, darüber lässt sich sicher streiten. Aber er sollte in seinen Behauptungen auch keine Informationen unterschlagen: 950 µg/m³ ist der Grenzwert an Arbeitsplätzen. Aber nur an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk mit hoher Stickstoffdioxidbelastung (NO2).

Außerdem handelt es sich hierbei um Belastungen von 40 Stunden pro Woche und nur gesunde Arbeitnehmer sollten diesem Wert ausgesetzt sein. Der von der EU festgelegte Wert von 40 µg/m³ dagegen ist ein Grenzwert für den Alltag sozusagen, dem Alte und Junge, Kranke und Gesunde gleichermaßen und rund um die Uhr ausgesetzt sind. Das macht einen gewissen Unterschied, nicht wahr?

Weiter ist NO zwar ein Botenstoff im menschlichen Körper und wird auch in sehr geringen Konzentrationen in der Medizin angewendet, aber sowohl NO als auch NO2 sind giftige Gase, die in Spuren natürlich in der Luft vorkommen. Zusammen mit Wasser (zum Beispiel in der Atmosphäre) reagieren Stickoxide als Säurebildner und reizen und schädigen so die Atmungsorgane. Stickoxide zu lebenswichtigen Gasen zu ernennen, ist also schlichtweg falsch.

Das erinnert mich an Herrn Bleckmanns Lieblingsgas CO2, in dem seiner Meinung nach Pflanzen hervorragend gedeihen: je mehr, desto besser! Falsch! Die Dosis macht das Gift. Setzen Sie mal Menschen, Tiere, Pflanzen in eine NOx- oder wahlweise CO2-geschwängerte Atmosphäre. Da wird klar, wie atemberaubend falsch diese Behauptungen sind. Von CO2 und NOx alleine lebt nichts und niemand. Pflanzen wachsen in deutlich erhöhten CO2-Werte nicht besser, wenn alle anderen Nährstoffe nicht auch im selben Maße wachsen.

Was mich, neben den falschen Behauptungen, noch ärgert, ist der Angriff auf die EU, die den „kleinen Mann“ mal wieder mit unsinnigen Vorschriften und Fahrverboten gängeln möchte. So sind also nun die, die – so unterstelle ich – Gesundheit über Profit stellen, (natürlich grüne) Menschenfeinde? Die Grenzwerte aufstellen, um Menschen vor den Gefahren zu schützen, die hochbezahlte Konzernmanager und Politiker aus purer Profit- und Machtgier bewusst in Kauf genommen haben? Interessante Sichtweise. Offensichtlich geht es Herrn Bleckmann eigentlich doch nur darum, dass seine eigene Freiheit möglichst uneingeschränkt bleibt.

Die Leugnung des Klimawandels hat Herr Bleckmann diesmal weggelassen, wahrscheinlich deshalb, weil er den Weltklimarat mit seiner Empfehlung der Kernenergie zitiert. Und eben dieser Weltklimarat neben eben dieser Empfehlung auch allerdringendsten Handlungsbedarf gegen den Klimawandel angemahnt hat. Es ist ziemlich absurd, den steigenden CO2-Ausstoß als Beweis für die Unwirksamkeit der Erneuerbaren anzuführen.

Man möge einmal nachrechnen, wie hoch der CO2-Ausstoß ohne den ständig zunehmenden Anteil der emissionsfreien erneuerbaren Energien mittlerweile wäre. Der Weltklimarat empfiehlt die Kernenergie, weil die Erneuerbaren zu teuer seien – als ob Bau, Betrieb und Rückbau eines Kernkraftwerkes jemals billig gewesen wären! Unsere Strompreise würden dadurch jedenfalls nicht sinken. Sowohl Weltklimarat als auch Herr Bleckmann lassen aber völlig außer Acht, dass es bis heute weltweit nicht ein einziges Endlager für die unweigerlich anfallenden und schon angefallenen radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb der Kernkraftwerke gibt, Endlager, in denen diese Abfälle für Tausende von Jahren sicher und ohne Wartung gelagert sein müssen.

Herr Bleckmann wirbt ein weiteres Mal für die sogenannten Kernkraftwerke der neuen Generation, die angeblich sicher sind und außerdem noch wer weiß was können. Bis heute ist allerdings nicht eines dieser „Kernkraftwerke der neuen Generation“ in Betrieb, folglich hat auch noch keines nachgewiesen, dass die vielfältigen technischen Probleme dieser superkomplexen Technik wirklich dauerhaft gelöst sind.

Abgesehen davon fallen auch hier radioaktive Abfälle an, die für lange Zeit sicher gelagert werden müssen. Die Befürworter der neuen Technik behaupten zwar, diese Abfälle hätten nur eine Halbwertszeit von wenigen hundert Jahren, aber auch für diesen Zeitraum muss die Endlagerung sicher sein, egal, welche politischen oder geologischen Katastrophen derweil geschehen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2KlzRsa