Leserbrief

Zum Thema Türkisch als Schulfach / Artikel vom 22. Oktober

Richtungsweisender Weg

Der Vorstoß der von Grünen und SPD geführten Landesregierung, an staatlichen Schulen das Schulfach "Türkisch" einzuführen, könnte ein richtungsweisender Weg sein. Die vergangenen Landesregierungen (CDU/FDP) hatten in den 1980er Jahren bereits Möglichkeiten an Hauptschulen angeboten: eine Auswahl zwischen englischer Sprache oder ergänzendem muttersprachlichen Unterricht - Italienisch, Spanisch, Türkisch etc. - für Schüler aus sogenannten Gastarbeiterfamilien. Damit sollte die Sprachkompetenz der jeweiligen Heimatsprache gewährleistet werden. Hierbei sind aber die ausländischen Schüler von dem Schulfach Englisch ausgeschlossen.

Die Bevölkerungsstruktur hat sich in Europa und in Deutschland verändert. Die Zahl der Deutschen (ohne Migrationshintergrund) ist aufgrund des demografischen Wandels weiterhin rückläufig, wobei die reguläre Zuwanderung stark ansteigt durch Arbeitsmigranten, Aussiedler und Flüchtlinge. Allein in Deutschland leben etwa drei Millionen türkischstämmige Menschen, mit oder ohne deutsche Staatsangehörigkeit, damit stellen sie die bedeutendste Gruppe an Migranten dar. Türkisch, Russisch, Arabisch bestimmen das öffentliche Bild in Deutschland und Europa. Hinzu kommen Flüchtlinge aus dem arabischen Sprachraum.

Bevölkerungsstruktur verändert

Die meisten werden Deutschland - verständlicherweise - nicht mehr verlassen. Schon in der Vergangenheit wurden Unternehmen von Migranten gegründet, Tendenz steigend, verbunden mit dem Ausbau eigener Infrastruktur vieler türkischer, arabischer Unternehmen, Ärzte, Banken, Rechtsanwälte, Firmen in Mannheim. Ferner auch die russischen Aussiedler, die in der Metropolregion gut aufgestellt sind, sowie der ständige Familiennachzug, der die augenblickliche Bevölkerungsstruktur enorm verändert und eine Reformierung der Bildungspolitik fordern wird. Deshalb sollten unsere Bildungspolitiker und auch wir als Gesellschaft, über das Jahr 2014 hinaus in die Zukunft blicken und für eine qualifizierte Sprachausbildung an den Schulen sorgen.

Kinder ohne Migrationshintergrund könnten die mehrheitlich regional vertretene Sprache erlernen. Ansonsten werden sie den bis dahin mehrheitsgesellschaftlichen Anschluss verpassen. Dadurch wären die Schüler (ohne Migrationshintergrund) nicht an der zukünftigen sozialen Interaktion beteiligt, zumal sie von fremdsprachlichen Unterhaltungen des Alltags, z. B. am Arbeitsplatz, Pausen, öffentlichen Nahverkehr, ausgeschlossen wären. Deshalb wäre zu Beginn der Grundschule z. B. das Schulfach Türkisch für alle Kinder ein sprachlich-kultureller Rahmen, indem sie zunächst ohne Zensuren im Hör- und Sprachverstehen beschult werden. In ihrer weiteren schulischen Ausbildung sind dann Bewertungen ihrer Leistungen der Fremdsprache möglich.

Fazit: Das Schulfach Türkisch am Elisabeth-Gymnasium wäre ein vorbildlicher Anfang, auch um Parallelgesellschaften abzubauen und so für ein bereicherndes interkulturelles Zusammenleben zu sorgen. Denn nicht zu vergessen: Unsere jetzige Metropolregion zeigte sich schon zu kurfürstlichen Zeiten als weltoffen und dem Neuen nicht verschlossen. Ein Erfolg, der bis heute fortwährt!