Leserbrief

Romantik verhindert Blick auf Grenzen

Zum Artikel „Die Linken reißen sich zusammen“ vom 12. Januar:

Die meisten Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen/UNO haben keine demokratischen Strukturen nach westlichem Vorbild. Von 55 afrikanischen Staaten können gerade mal fünf demokratisch genannt werden. Der Rest sind Fassaden-Demokratien, unfähig oder unwillig, gerechte Gesellschaften aufzubauen und ihren Bewohnern ein Minimum an Sicherheit und Lebensstandard zu bieten. Diese fliehen lieber in Richtung Europa anstatt für bessere Verhältnisse vor Ort zu kämpfen, zusätzlich angelockt durch großzügige Transferleistungen, die eigentlich mal für die in Not geratenen eigenen Staatsbürger vorgesehen waren.

Im Gegensatz zur bisher propagierten Eine-Welt-Ideologie hat nun der linke Leitstern Sahra Wagenknecht erkannt, dass die „offene Grenzen-Politik“ von Merkel und Co. die alten hehren Ziele von Linken und Ökologen – soziale Gerechtigkeit und Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie – unmöglich macht. Wagenknecht und ihre Bewegung „Aufstehen“ wollen in einem „Europa der Vaterländer“ einen eigenen Migrationspakt, der neben dem wirksamen Außengrenzschutz die faire Verteilung und Integration regelt.

Dafür muss man nicht nach Marrakesch, sondern nur in die Vorstädte von Paris, Brüssel oder nach Marxloh und Neukölln fahren. Zu Recht kritisiert „Aufstehen“, dass Moralpopulisten als wohlfeile Gesinnungsethiker die Folgen ihrer Politik nicht fürchten müssen. Sie wohnen in sicheren Gegenden, ihre oft beamteten Arbeitsplätze sind nicht durch Billiglöhner gefährdet, sie beziehen hohe Pensionen und ihre Kinder oder Enkel gehen in migrantenfreie Privatschulen.

Es steht weder in der Bibel noch im Grundgesetz, dass der Mensch in maximaler Vielfalt oder Offenheit zu leben habe. Die romantische Idee von der „Welt als Wille und Vorstellung“ (Schopenhauer) verhindert den Blick auf das Ende der Spendierfähigkeit. Durch eine moralisch begründete Migration, siehe Marrakesch-Pakt, glaubt der von Merkel praktizierte altlinke Internationalismus, Unrecht aus der Vergangenheit ausgleichen zu müssen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2REYyCb