Leserbrief

Rufe nach neuen Straßen sind realitätsfern

Zu den Artikeln „„Die Wirtschaftskraft der ganzen Region ist in Gefahr“ und „Stuttgart steht auf der Bremse“ vom 4. Oktober:

Intelligente Lösungen – oder doch nur mehr Asphalt und Blechlawinen? Die Mobilitätsinfrastruktur in der Region braucht beherzte Entscheidungen und einige Investitionen – daran zweifeln wohl die Wenigsten. Ein länderübergreifender Mobilitätspakt, wie ihn Ralph Schlusche vom Verband Region Rhein-Neckar, fordert, kann da sicher hilfreich sein. Es wäre jedoch fatal, wenn neben den Kommunal- und Landesregierungen ausschließlich Wirtschaftskammern und Industrieverbände am Tisch säßen, Fahrgast- und Umweltorganisationen jedoch außen vor blieben.

Hoffen auf Bahntunnel

Die Lobby der Fuhrunternehmer prescht unterdessen voraus und verlangt den weiteren Ausbau ihres wichtigsten Produktionsmittels, der Straßeninfrastruktur, auf Kosten der Steuerzahler. Begründet wird dies – wie bei Wirtschaftslobbyisten üblich – mit einer angeblichen Gefährdung von Arbeitsplätzen.

Die Forderungen, die Jochen Graeff vom Verband des Verkehrsgewerbes Baden im selben Artikel stellt, beinhalten neben der schleunigen Instandsetzung beider Hochstraßen zusätzlich auch eine dritte Rheinquerung in Form eines Tunnels. Man kann nur darauf hoffen, dass es sich dabei zumindest um einen (Straßen-)Bahntunnel handeln soll. Die Folgen wären andernfalls nämlich noch mehr Asphalt, noch mehr Lkw- und Pkw-Verkehr, noch mehr Luftverschmutzung, und auch noch mehr CO2-Emissionen in unserer Region.

In Zeiten, in denen den allermeisten Menschen (von einigen Ewiggestrigen abgesehen) sonnenklar ist, dass es intelligente Logistik- und Mobilitätslösungen braucht, um die Klima- und Umweltkosten unserer Mobilitätsbedürfnisse in den Griff zu kriegen, sind Rufe nach neuen Straßen realitätsfern und einer zukunftsfähigen Entwicklung der Region alles andere als zuträglich. 

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2VEBze9  und  http://bit.ly/2IFvXuN