Leserbrief

Sarotti-Mohr beschäftigt weiter die Leser

Zum Artikel „Offener Brief an Capitol“ vom 25. Mai:

Hier bringen sich Menschen in unserer Heimatstadt Mannheim in Stellung und fordern die Entfernung des Sarotti-Mohrs. Welch eine Ungeheuerlichkeit! Wenn ich in einem dieser Länder, aus denen die Initiatoren kommen, Urlaub machen würde und mich negativ über deren Lebenssituationen/Lebensbräuche so ausließe, wie man diesen Fremden bei uns gestattet, würde ich im Gefängnis landen.

Frau Della, Herr Dr. Pinto, Frau Dr. Nobrega, Sie treten unsere Anständigkeit, unsere Gefühle, unsere Großzügigkeit, unser Verständnis für andere Menschen und Kulturen mit Füßen. Und wenn Sie ehrlich zu sich und uns sind, wissen Sie genau, dass Sie in Ihrem eigenen Lande und wir als Gäste/Besucher Ihres Landes uns dies überhaupt nicht erlauben könnten/dürften. Der Sarotti-Mohr entstand in Zeiten, da ist niemand nach Afrika gereist. Da waren Urlaube, die heute für die deutsche Gesellschaft üblich sind, Träume für unsere Eltern und für uns Kinder. Ich bin im Januar 1939 hier in Mannheim geboren, acht Monate vor Kriegsausbruch, das heißt, ich habe als kleines Mädchen den Krieg mit all seinen schlimmen Auswirkungen miterlebt und der kleine Sarotti-Mohr war für uns Kinder eine liebe, freundliche Gestalt, die uns Schokolade auf einem Tablett offerierte, die wir nie bekamen, die den Kindern aber das Wasser im Munde zum Fließen brachte.

Bei den Faschingsveranstaltungen, die Hans Brückel für Kinder in seiner Orient-Bar am Ring oder im Gasthaus in der Schwetzinger Straße veranstaltete, waren oft kleine Buben als Sarotti-Mohr verkleidet; alleine schon die andersartige Kleidung, die Farbgestaltung, alles fand Beifall und Freude. Und nun kommen Menschen in unser Land, studieren unter anderem auch hier (eventuell sogar mit Geldern deutscher Bewohner, die dafür Steuern bezahlen mussten, um diesen Menschen ihre Studiengebühren zu erleichtern) und erdreisten sich eines solchen Ansinnens.

Wie lange, frage ich jetzt deutlich, wollen wir uns das gefallen lassen? Sehr geehrter Herr Riehle, bitte, lassen Sie sich nicht erpressen, der Sarotti-Mohr hängt schon länger im Capitol als manche der Menschen sich hier niedergelassen haben und unsere Großzügigkeit, unser Verständnis und unsere Anständigkeit schändlich missbrauchen. Helga Johanna Koch, Mannheim

Warum werden gewisse Leute immer blöder? Ein Werbeschild von Sarotti abhängen, obwohl nichts von Mohr dabei steht. Wenn es um das Bild geht, machen sich diese Leute falsche Gedanken. Dann müssen wir ja auch den Schwarzwald, die Schwarzfahrer und so weiter umbenennen. Schöner wäre es, wenn sich die Leute um richtige Probleme kümmern würden. Rotsünder im Straßenverkehr, tägliche Falschparker, auch die Fugen der Planken sind schon gut mit Kippen gefüllt. Täglich werden Tauben gefüttert und Müll fallen gelassen und so weiter, ohne bestraft zu werden. Peter Reginek, Mannheim

Der Sarotti-Mohr ist seit 1918 eine sehr schöne Werbefigur und steht für süßen Genuss. Man sollte doch nicht irgendwelche rassistischen Gedanken hineinreden wollen. Ich finde, gerade Mannheim ist eine sehr tolerante und multikulturelle Stadt. Ich möchte unsere Mitbürger aus allen Ländern nicht missen. Es gibt sicherlich wichtigere Themen, wie zum Beispiel die Werbung vor einem eindeutigen Etablissement: „wöchentlich wechselnde Modelle“. Darüber können sich die Gegner des Sarotti-Mohrs doch mal Gedanken machen. Ich hoffe sehr, dass sich das Capitol für das Werbeschild des netten Mohrs entscheidet, der uns nun schon so viele Jahrzehnte durchs Leben begleitet.

Diese Werbung war und ist Ausdruck für eine Phase der deutschen Geschichte, die man kritisch hinterfragen, aber nicht aus dem öffentlichen Raum „verbannen“ sollte. Es haben im Capitol mehrere Veranstaltungen und Gesprächsrunden stattgefunden, deren Ergebnis, die „Sarotti-Mohren“ hängen zu lassen und im Foyer des Capitol kritisch zu hinterfragen, den Briefschreibern offensichtlich nicht gefallen. Das ständige Nachkarten macht die Einstellung der Briefschreiber mehr als fragwürdig. Folgte man nämlich der Argumentation der Briefschreiber, müsste man auch das Kreuz und die Mondsichel mit dem Stern aus dem öffentlichen Raum entfernen, da diese für Genozide, Kreuzzüge, Sklavenhandel (vor allem aus Afrika durch die Araber), Sklaverei und zum Teil auch heute noch für Unterdrückung, Diskriminierung, sogenannte Ehrenmorde und so weiter stehen.

Dagegen zu kämpfen wäre aller Ehren wert. Aber dann müssten die Briefschreiber vielleicht auch ihre Religion, ihre Weltanschauung und „ihre“ Geschichte hinterfragen. Wie steht es damit?

Es ist unbegreiflich, wie eine Minderheit immer wieder versucht, einer Mehrheit ihre Meinung aufzuoktroyieren. Die Führung des Capitols hat mit vielen Beteiligten um eine Lösung gerungen und einen eigentlich für alle Seiten akzeptablen Kompromiss gefunden. Warum die Angelegenheit noch einmal aufgewärmt wird, ist nicht zu fassen. Hier geht es offensichtlich nur darum, Aufmerksamkeit zu erheischen. Ich kann nur hoffen, dass Thorsten Riehle standhaft bleibt und sich dieser Forderung nicht beugt. Karl-Ludwig Schwaab, Mannheim

Um dieser unendlichen Geschichte wegen des Sarotti-Mohren endlich ein Ende zu setzen, schlage ich vor, dem Mohren eine helle Hautfarbe zu geben. Somit würde beiden Parteien Genüge getan und der Sarotti-Mohr könnte im Capitol hängen bleiben. Wenn wir in Mannheim keine anderen, wichtigeren Probleme hätten – würde ich sagen: ,,dann sucht man sich halt welche’’.

Mir platzt gerade der Kragen, nachdem ich lese, dass es mal wieder ein paar „Kasper“ gibt, die uns unseren Sarotti-Mohr nicht mehr gönnen wollen. Was sind denn das für Menschen, die dagegen sind, dass der Sarotti-Mohr im Capitol bleiben soll? Ich habe als Kind die Schokolade geliebt mit dem Bild von dem kleinen Jungen. Den haben wir doch alle geliebt, oder? Ich kenne niemanden, der etwas Ausländerfeindliches gesagt hat. Es hat auch niemand „Neger“ gesagt; nein, es war der kleine nette „Mohr“. Und nun gibt es da Personen, die uns „Kolonialrassismus“ vorwerfen? Das ist eine Frechheit, und ich fühle mich beleidigt.

Fühlen diese Menschen sich angegriffen, weil wir den Sarotti-Mohr mögen oder Mohr sagen? Ich bestelle auch weiterhin einen „Mohrenkopf“ und gehe gerne ins „Mohrenköpfle“. Lieber Herr Riehle, bitte lassen sie den Sarotti-Mohr da, wo er hingehört, nämlich im Capitol. Lassen Sie sich mit dem Gelaber von Langweilern nicht beeinflussen. Cornelia Wirth-Lummer, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2K9KCQi