Leserbrief

Sarotti-Mohr weiter emotionales Thema

Zum Leserforum „Das schreiben Leser zur Verhüllung des Sarotti-Mohrs“ vom 28. Februar:

Den Leserbriefschreibern stimme ich voll und ganz zu. Ich bin 1949 geboren und verbinde mit diesem „rassistischen“ Symbol nur unheimlich schöne Erinnerungen. Schokolade an sich war ein sehr seltener Genuss, nicht weil meine Mutter die Auffassung vertrat, Schokolade sei ungesund, sondern weil sie die fünf Pfennige, die ein Riegel Schokolade kostete, nicht erübrigen konnte. (Anmerkung für die Klimaschützer: unverpackt in einem Glas mit Deckel). Wenn ich dann von jemand eine Sarotti-Schokolade geschenkt bekam, war das ein Fest für mich.

Ich verstehe Herrn Riehle, wenn er aufgrund seiner Position als Stadtrat dieser kleinen radikalen Minderheit entgegengekommen ist. Wenn aber am Ende dieser Aktion der Mohr nicht wieder unverändert an seinem Platz ist, würde ich mich leider gezwungen sehen, meine Mitgliedschaft als Capitoler zu überdenken. Muss sich denn in diesem Land die Mehrheit immer von einer radikalen Minderheit die Meinung aufzwingen lassen?

Karl Ludwig Schwaab, Mannheim 

Wir sind der gleichen Meinung wie Capitol-Chef Thorsten Riehle und der Grünen Politiker Markus Corcelli – „Der Mohr muss bleiben“! Schon als Kinder haben wir uns an diesem Mohren erfreut, und das ist bis heute so geblieben. Was bitteschön ist da Rassismus? Man kann auch einiges hochspielen. Wir haben in Mannheim und Umgebung einige dunkelhäutige Menschen auf den Sarotti-Mohr angesprochen, keiner konnte mit dem Mohren etwas anfangen, das heißt, sie wussten nicht einmal, wo der stehen soll – also für wen ist dieser Mohr Rassismus?

Außerdem leben wir in Mannheim mit vielen Nationen und das geht gut, denn wir akzeptieren ja auch die Moscheen, Kopftücher, Burkas. Alles ist okay, aber eine Figur, die schon sehr viele Jahre ganz ruhig am Mannheimer Verwaltungshaus Capitol steht, die soll störend sein und sogar rassistisch? Das sollte man einem normal denkenden Bürger erklären.

Erika Herzog und andere, Mannheim

Es gibt nur eines: „Freiheit für den Sarotti-Mohr“! Umgehend auspacken, aufstellen und basta! Das ganze Drum und Dran um diese Werbefigur, die schon zeit meines Lebens dort aufgestellt ist, ist für mich ein richtiges Schmierentheater. Ich merke immer mehr, wie sich Deutschland abschafft und frage mich, was noch alles auf uns zukommt? Gibt es eigentlich noch die farbigen Püppchen, die früher bei Kindern so beliebt waren, oder sind die auch schon aus der Produktion genommen? Ich wäre überhaupt noch nie auf die Idee gekommen, in solchen Figuren eine Herabsetzung bestimmter Menschen zu sehen.

Ursula Müller, Mannheim 

Viel skurriler als die Diskussion um das Werbeschild, das einen schwarzen Menschen als Diener darstellt und Sarotti-„Mohr“ genannt wird, finde ich die Leserbriefe, die man dazu seit Wochen im „Mannheimer Morgen“ liest. Tenor vieler: Ich will Zigeunerschnitzel essen und Negerkuss sagen dürfen, darauf habe ich ja wohl ein Recht und da soll man sich mal nicht so anstellen. Weiße würden schließlich auch zu Werbezwecken benutzt.

Ich kann es wirklich nicht fassen, dass man da den Unterschied nicht entdeckt. Es geht doch darum, was die Figur ausdrückt: Ein schwarzer Mensch reicht als Diener Köstlichkeiten seiner kolonialisierten Heimat. Wenn man das im Jahre 2020 noch lustig findet und den Rassismus dabei nicht erkennt, dann ist das doch alarmierend. Ist es denn so schwer, auch als älterer Mensch, mit der Zeit zu gehen und nicht mehr die diffamierenden Worte Neger und Zigeuner zu benutzen?

Ja, in meiner Kindheit hieß das auch noch Mohrenkopf und das Wort für die kleinen Silvesterböller will ich hier nicht mal mehr geschrieben sehen, so schrecklich finde ich das im Nachhinein. Es tut doch nicht weh einfach ein anderes Wort für Dinge zu benutzen, die Menschen beleidigen oder herabsetzen. Brechen wir uns einen Zacken aus der Krone, wenn wir Paprikaschnitzel bestellen? Hört sich Schokokuss nicht viel schöner und auch noch passender an? Kann das Werbeschild nicht einfach weg oder ins Museum?

Janina Ries, Mannheim

Zum Thema