Leserbrief

Sauerstoffspendende Bäume zu opfern, ist ein Trauerspiel

Zum Beitrag "Universität wächst auf B 6" vom 12. März:

Für den Neubau auf B 6 sind viele zum Teil große Bäume gefällt worden. Nun sind die nächsten zu fällenden Bäume bereits im Visier: die noch verbliebenen Bäume auf A 5 sollen in den nächsten Jahren einem weiteren Neubau weichen.

Für wen? Die Zahl der Studierenden wird sinken: 1997 wurden etwa 900 000 Kinder geboren, ab 2004 waren es nur noch durchschnittlich rund 700 000 Neugeborene. Selbst wenn die Zuwanderungsquote steigt und die ehedem schon hohe Quote der Studierenden pro Jahrgang noch etwas weiter wächst, wird sich kein weiterer Bedarf ergeben für universitäre Gebäude. Durch die starke Nachfrage der G 9 wird sich sogar noch eine zusätzliche Verlangsamung der Nachfrage ergeben. Wenige Tage zuvor war in Ihrer Zeitung zu lesen, dass in Mannheim mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt werden. Weiß man nun (und das weiß man anscheinend weder in der Stadtverwaltung, im Gemeinderat noch an der Universität, die ja keine naturwissenschaftlichen Fakultäten hat), dass für einen großen Baum mindestens an die Hundert dieser kleinen verwurzelten Nachwuchsgewächse gepflanzt werden müssten, um die ökologische Bilanz zu halten, dann stellt sich die Frage: Welche Verantwortung wird hier für die Gesundheit der in Mannheim lebenden Menschen übernommen?

Bereits jetzt ist die Innenstadt in der Sommerhitze so aufgeheizt, dass man sich außerhalb von Gebäuden kaum mehr aufhalten kann. Die hiesige Region weist eine der höchsten Atemwegskarzinomquoten auf!

Besonders satireverdächtig ist der Bau eines Radweges an der Bismarckstraße - der Miniautobahn Mannheims. Kein halbwegs intelligenter Mensch fährt auf dieser Straße länger als ein oder zwei Quadratlängen mit dem Rad, weil er sich inmitten von Abgasen befindet, die vor allem in die Radlerlunge wandern und nicht in die Lungen jener, die diese Abgase produzieren.

Menschen haben resigniert

Entweder wird die Straße zwischen den M- und L-Quadraten genutzt, oder, wenn man von der Uni an den Bahnhof muss, die Strecke zwischen den L-Quadraten und Gleisen. Für diesen Humbug noch zehn sauerstoff- und schattenspendende Bäume zu opfern, ist ein Trauerspiel. Gerade Radfahrer brauchen Bäume, um im Sommer vor Hitzeeinwirkungen geschützt zu sein.

Ihr Kommentator, Herr Langscheid, wunderte sich, dass nach dem Ausreißen der Bäume in T4/ T5 so wenig Resonanz erfolgte. Die vielen Menschen, die für den Erhalt der Bäume gekämpft haben, die übrigens gar nicht auf dem zu bebauenden Gelände wuchsen, sondern auf den Gehsteigen, haben resigniert. Sie haben erlebt, dass man sie jahrelang diskutieren ließ, um am Ende nichts von dem zu bewahren, was ihnen vor allem wichtig war: die kleine kostbare grüne Oase in T 4/T 5.