Leserbrief

Schlagzeile irreführend

Zum Artikel „Ohne Migranten könnten wir keine Häuser mehr bauen“ vom 2. August:

In dem Artikel wird eine Veränderung unserer deutschen Kultur durch einen immer höheren Anteil von Migranten begrüßt. Das bedeutet schrittweise einen Austausch deutscher kultureller Traditionen und Gepflogenheiten gegen andere. Nur ist dies wirklich im Interesse der deutschen Bevölkerung, wenn zum Beispiel Weihnachten oder Ostern durch andere Begriffe und Inhalte ersetzt werden, um tolerant und offen zu erscheinen? Ich glaube nicht, dass die Mehrheit unserer Bevölkerung dies wünscht und für gut empfindet.

Politikverdrossenheit und ein hoher Anteil von Nichtwählern sind das Ergebnis. Und dass diese Multikultivision gescheitert ist, hat Frau Merkel schon vor Jahren festgestellt. Beschönigt wird die Situation durch den Begriff Migration. Das ist ein unpräziser Sammelbegriff für Wanderungsbewegungen größerer Menschengruppen, die auf Dauer ihren Lebensmittelpunkt verlagern möchten. Was wir aber seit 2015 in einem vorher nie gekannten Umfang an Einwanderung von Menschen mit unterschiedlichsten Interessen und Zielen erleben, kann mit diesem pauschalen Begriff nicht definiert und erklärt werden.

Vielschichtige Angelegenheit

Hier ist eine Differenzierung unumgänglich, um ein wahres Bild der Situation zu zeichnen. Und die Schlagzeile „Ohne Migranten könnten wir keine Häuser mehr bauen“ ist schlichtweg irreführend. Unsere Baustellen sind geprägt von Arbeitern aus Polen, Rumänien, Ungarn, Kroatien und so weiter, das sind alles Mitglieder der EU und können nicht unter dem pauschalen Begriff Migranten zusammen mit Flüchtlingen und Asylsuchenden zusammengefasst werden. Auch die Gastarbeiter und deren Kinder und Kindeskinder können nicht pauschal als Migranten definiert werden.

Die Angelegenheit ist sehr vielschichtig und differenziert. Aber das passt wohl nicht in das gewünschte Bild, das hier konstruiert wird.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2AMHXcq