Leserbrief

Schlüsselindustrie braucht möglicherweise Subventionen

Zum Artikel „Bund will weitere Auto-Hilfen prüfen“ vom 9. September:

Mitten in die folgen- und milliardenschwere Energiewende mit unübersehbaren Folgen für die Wirtschaft fällt die Krise der Auto-Industrie, bisher Lokomotive der deutschen Wirtschaft und Steuerquelle Nr. 1 des deutschen Fiskus. Deutliches Signal war der Autogipfel im Kanzleramt. Damit gerät in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, dass die deutsche Schlüsselindustrie in einer tiefen Krise steckt. Anstelle der sprudelnden Steuerüberschüsse der vergangenen Jahre müssen plötzlich möglicherweise Subventionen treten.

Dabei ist Corona nicht die Hauptursache, allenfalls Beschleuniger. Das Problem wurde von langer Hand durch immer restriktivere EU-Richtlinien erzeugt – anscheinend unbemerkt von Politikern und Medien. Denn gerade die EU, die ja immer überschwänglich gepriesen wird, da Deutschland angeblich so viel davon profitiere, trägt maßgeblich zum Niedergang der deutschen Autoindustrie bei. Hier ist als erstes der einzuhaltenden NOx-Grenzwert von 40 Mikrogramm/cbm für Dieselfahrzeuge zu erwähnen. Dieser Grenzwert, angeblich von der WHO empfohlen, wurde auf der Basis von EU-Richtlinien in deutsches Recht und Gesetz umgesetzt. Die Konsequenz ist allseits bekannt: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in zahlreichen deutschen und europäischen Städten mit tatkräftiger Unterstützung der Deutschen Umwelthilfe mit den von ihr angezettelten Prozessen und Milliarden Strafzahlungen der Hersteller.

Die willkürliche zu (?) niedrige NOx-Begrenzung der EU hat der deutschen Auto-Industrie den ersten schweren Schlag versetzt, da die Dieselfahrzeuge in Misskredit gerieten, obwohl sie den besten thermischen Wirkungsgrad und damit geringsten CO2-Ausstoß haben.

Der nächste Schlag der EU erfolgt nun durch den indirekt verordneten Umstieg auf die Elektromobilität durch die jüngste EU-Richtlinie von 95 g CO2/km. Damit lässt sich kaum noch ein halbwegs leistungsfähiger Verbrennungsmotor produzieren. Folge: Hohe Strafzahlung von den Herstellern bei Überschreitung des Grenzwertes und/oder erzwungener Umstieg auf Batterie-Fahrzeuge.

Dabei gelten batteriebetriebene Fahrzeuge laut EU fälschlicherweise als abgasfrei. Diese sind bekanntlich alles andere als umweltfreundlich. Man denke an die Umweltschäden in Südamerika im Zusammenhang mit der Lithium-Gewinnung oder die CO2-Emissionen beim Laden, was – zumindest bisher, wahrscheinlich auch in Zukunft – kaum ohne fossile Brennstoffe möglich ist.

Rückblickend wundert man sich, wie wenig in Politik und Medien über den schleichenden Prozess der EU zur Ausbremsung der deutschen Auto-Industrie bemerkt wurde. Erschreckt haben die Regierenden jetzt anscheinend festgestellt, dass die EU den Ast abgesägt hat, auf dem ein großer Teil der deutschen Industrie sitzt, der jahrelang für hohes Steueraufkommen gesorgt hat. Der von der EU verordnete Umstieg auf Batteriefahrzeuge – wahrscheinlich umweltpolitisch ein Irrweg – eliminiert vor allem ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal und einen Erfolgsfaktor der deutschen Autoindustrie: die breite Palette hervorragender und sparsamer Verbrennungsmotoren. Diese besonderen Merkmale entfallen beim Umstieg auf den von Kanzlerin und Rot-Grün geforderten Batteriebetrieb.

Es ist daher ein Irrglaube zu meinen, damit könne die deutsche Auto-Industrie zu alter Stärke zurückfinden. Immer mehr greift staatliche Planwirtschaft à la DDR in das Wirtschaftsgeschehen ein: Hier der politisch verordnete Umstieg auf Elektromobilität, dort Energiewende mit Abschaltung von Kernenergie und Kohle. Das erschreckte Erwachen bei der Energiewende steht noch bevor. Nach dem Niedergang der deutschen Auto-Industrie wird die Energiewende mit den höchsten Strompreisen und nicht mehr gesicherter Grundlast zusätzliche wirtschaftliche Probleme und weltweiten Spott über die deutsche Besserwisserei zur Konsequenz haben. (von Rolf Rotterdam, Ilvesheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3hyNfby