Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Schluss der Debatte

Bürgerinitiativen und Unterschriftensammlungen wie derzeit beim Mitzlaff Bau der Kunsthalle sind nicht nur legitim, sondern auch ein wichtiges Instrument der demokratischen Meinungsbildung. Im besten Fall mündet ein solches Engagement in einem Bürgerentscheid, sei es durch Sammeln der notwendigen Anzahl von Unterschriften, sei es durch einen Beschluss des Gemeinderats selbst, einen Bürgerentscheid herbeizuführen, wie wir es letztes Jahr in Mannheim zum Thema BUGA erlebt haben. Im schlechtesten Fall überzieht man aber heftig. Dieses "Überziehen" scheint mir im Fall der o.g. Kunsthallen-Bürgerinitiative gegeben. Ich selbst habe vor 30 Jahren als Gymnasiast den Bau des Mitzlaff Baues fast unmittelbar erlebt. Wie jeder vernünftige Mensch hatte ich zunächst große Schwierigkeiten mit dem Plan, dieses Gebäude nach nur 30 Jahren abzureißen. Und gäbe es nicht großartige Mäzene, würde dies ja auch nicht geschehen. Aber was würde dann passieren? Nichts! Der Mitzlaff Bau würde nicht saniert werden. Glaubwürdige Gutachten bescheinigen einen Sanierungsbedarf von ca. 37 Millionen. Auch wenn man nur Skulpturen ausstellen wollte, müsste man sanieren, d.h. den Boden für Gewicht herstellen, den Wassereinbruch im Keller grundsätzlich stoppen etc. Bei der Finanzlage der Stadt glaubt doch wohl niemand ernsthaft, dass das jemals angegangen worden wäre? Es hätte einen weiteren schleichenden Verfall gegeben, wie bei vielen städtischen Gebäuden. Am Ende wäre eine Ruine am Friedrichplatz gestanden, welche Zier für diesen Platz! Und dann mal ehrlich: Nur weil wir uns in dreißig Jahren an den Bau gewöhnt haben, wird er nicht besser: Die Fassade zum Platz hin ist kein architektonisches Kleinod sondern eher bescheiden und harmonisiert, wenn überhaupt, nur wegen der Sandsteinverblendung mit den anderen Gebäuden.

Groteskes Ansinnen

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Ich selbst hätte mir einen radikaleren und gewagteren Neubau gewünscht. Die Entscheidung ist gefallen (schon seit einem Jahr) und ausgewählt wurde ein durchaus gefälliger Entwurf, der genauso gut oder genauso schlecht zum Friedrichplatz passt wie der Mitzlaff Bau. Und wäre nicht jeder alternativ ausgewählte Entwurf bei Teilen des Publikums genauso durchgefallen, eben weil die Geschmäcker so verschieden sind? Genau aus diesem Grund ist es völlig daneben, den gewählten Entwurf als "Kasten" o.ä. zu diffamieren. Daraus spricht eine gewisse Fundamentalopposition, die darin gipfelt, vorzuschlagen, den Mitzlaff Bau stehen zu lassen und die Spendengelder für einen Neubau auf auf dem Platz zwischen Heilig Geist Kirche und Hachenburg Schule zu verwenden. Das wäre dann die endgültige Festlegung der Ausrichtung der Kunsthalle weg vom Friedrichplatz hin zur Seckenheimer Straße und damit städtebaulicher Unfug. Ganz abgesehen davon, dass die Stadt künftig drei Kunsthallen-Gebäudekomplexe unterhalten müsste, einer davon heute schon ein schwerer Sanierungsfall. Wie das finanziert werden sollte, bleibt das Geheimnis der BI. Und noch etwas Grundsätzliches an die BI: Warum haben sie nicht unmittelbar nach der Entscheidung des Gemeinderats Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt? Allerdings hätten Sie dann das zehnfache an Unterschriften in sechs Wochen sammeln müssen als Sie es jetzt in einem Jahr geschafft haben. Der Zug ist doch wohl schon lange abgefahren. Und jetzt mit juristischen Mitteln nachkarten zu wollen, schadet der Kunsthalle und damit uns allen.

Grotesk ist Ihr Ansinnen, den Mitzlaff Bau unter Denkmalschutz stellen zu wollen. Daher bitte ich die BI jetzt um ein Ende der Grundsatzdebatte und eine Hinwendung zu den Detailplanungen, hier gibt es noch genug zu diskutieren. Schließlich wollen wir mit dem Neubau für Kunsthalle, Friedrichsplatz und unsere Stadt ein optimales und tolles Ergebnis!