Leserbrief

Leserbrief Zu „Zwei Städte versinken im Flammenmeer“ (FN, 1. 9.)

Schönes „Mannem“ war nur noch Trümmerwüste

Als gebürtiger Mannheimer möchte ich dazu meine Erinnerungen eines Fliegerangriffs wiedergeben. Wenn ich heute eine Sirene höre, geht es mir noch durch Mark und Bein. Mannheim hatte 143 Luftangriffe, davon habe ich als Kind im Luftschutzkeller bis zur Evakuierung einige erlebt.

Plötzlich gingen nachts die Sirenen los. Voralarm. Alles hastete im Treppenhaus zum Luftschutzkeller. Nachdem die Stahltür verschlossen war, wurde es still.

Jetzt kam der Hauptalarm, es herrschte eine unheimliche Stille, alles lauschte nach dem Brummen der Bombermotoren.

Dann ging plötzlich das Getöse los, die Flugabwehrkanone begann zu donnern, dazwischen begann jetzt das Pfeifen der Bomben, bis zur Explosion – bitte aber nicht bei uns. Die Frauen knieten in einer Reihe und begannen laut zu beten, während draußen die Hölle los war.

Einmal war ein hochdekorierter Soldat auf Urlaub und war als einzelner Mann unter uns. Plötzlich begann er durchzudrehen, „ich will raus, das halt ich nicht aus“. Die Frauen mussten ihn festhalten, denn es war streng verboten während eines Angriffs auf die Straße zu gehen. Mein Bruder und ich schauten uns an – das soll ein Held sein?

Nach der Entwarnung ging alles auf die Straße, um zu schauen, wo es überall brennt, der Himmel war hellrot.

Als wir nach dem Krieg nach Mannheim zurückkamen, war unser schönes „Mannem“ eine Trümmerwüste, es fehlte an Grundbedürfnissen. Jetzt bestimmten die Besatzer den Alltag.

Und heute – auf den Straßen wird kaum noch Deutsch gesprochen. Die Kirchen sind leer, die Moscheen um so voller.

Zum Auswandern bin ich zu alt, habe mich auf das Land zurück gezogen.