Leserbrief

Schuld sind immer die anderen

Zum Artikel „Eichbaum stoppt WM-Aktion“ vom 12. Mai:

Nun sorgen also die Kronkorken von Eichbaum für die nächste Entrüstung unter den Muslimen. Erst entschuldigt sich ein Oberarzt im Theresienkrankenhaus bei einer türkischen Familie, weil er deren 18-jährigen Sohn nicht respektvoll behandelt hat, um ihm ein Einzelzimmer anzubieten.

Dann zerlegt ein 22-jähriger Türke seinen Maserati, weil ihm angeblich eine Katze über den Weg gelaufen ist (schon erstaunlich, dass es keine Ameise war). Als Nächstes werden in der Nähe des Mannheimer Weihnachtsmarktes zwei junge Polizisten von muslimischen Jugendlichen attackiert. Und wieder einmal waren es die Polizisten, die Schuld an dieser Auseinandersetzung hatten.

Mich wundert es, dass Herr Erdogan das wiederholte Ausscheiden der türkischen Fußballnationalmannschaft an der Weltmeisterschaft nicht irgendeiner terroristischen Organisation anlastet. Das deutsche Volk muss sich eigentlich nur noch gegenüber muslimischen Verbänden entschuldigen. Und das, im eigenen Lande.

Den Respekt und die Wertschätzung, die Muslime hier in Deutschland für sich einfordern, würde ich mir für uns – von ihnen ebenso in respektvoller Weise – wünschen. Was wäre gewesen, wenn Eichbaum die saudi-arabische Flagge auf den Kronkorken weggelassen hätte? Dann wäre der Aufschrei aber definitiv riesengroß gewesen. Und dafür hat sich der Marketing-Chef von Eichbaum, Herr Holger Vatter-Schönthal, ja auch wieder postwendend bei den Muslimen entschuldigen müssen.

Drum merke: Egal, was auf der Erde passiert, egal, wie man handelt oder was man sagt: Schuld sind immer die anderen.

Seit vielen Turnieren erfreue ich mich an den Kronkorken mit den teilnehmenden Länderflaggen. So schlicht dürfen wir scheinbar nicht mehr denken. Es muss bei uns wirklich alles auf jedwede abweichende Meinung und Überzeugung abgestimmt sein.

Wir geben damit unser Selbstverständnis und unsere Lebensart auch immer mehr auf. Frau Professorin Spuler-Stegemann hat bestimmt viel Ahnung vom Islam, aber was unsere Lebenswirklichkeit betrifft, scheint sie ziemlich ahnungslos. Wenn man dann noch die Werbeidee von Eichbaum als Schnapsidee bezeichnet, dann bin ich als Leser erst einmal erstaunt über so viel Ignoranz und abgedrehter Meinung.

Dass der „Mannheimer Morgen“ auch noch diese Äußerung unreflektiert als Überschrift übernimmt, macht die Sache nicht besser. Wir müssen nicht alle Korankenner sein, um unsere Lebensart leben zu dürfen. Natürlich ist es richtig, wenn der Kommentar dazu aufruft, den Ball flach zu halten. Wir brauchen nicht schon wieder eine unselige Debatte, wenn es, wie hier, um Sport geht. Der Artikel hat aufgrund der Aussagen von Frau Spuler-Stegemann aber genau das Gegenteil bewirkt und befeuert einen Diskurs, den so niemand haben will und schon gar nicht braucht. Der Islam-Wissenschaftler aus Freiburg hat das unaufgeregt kommentiert.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2s1iWDh