Leserbrief

Leserbrief Zu "Kämpfe bis 24. September . . ." (FN 6. September)

Schulz hat Kanzlerformat

Spätestens seit dem Duell von Martin Schulz und Bundeskanzlerin Merkel ist klar, auch Martin Schulz hat Kanzlerformat. Mit seiner klaren Sprache, seiner zupackenden Art Probleme zu benennen und Lösungen aufzuzeigen ist er viel konkreter als die Amtsinhaberin. Das vielbeschworene Kanzler-Duell war eine furchtbar lahme Veranstaltung, ganz wie es das Bundeskanzleramt bereits im Vorfeld angepeilt hatte - es sollte sich nichts bewegen. In mehreren Zeitungen war zu lesen, dass die Themensetzung stark vom Bundeskanzleramt beeinflusst wurde - und wie leider zu befürchten war - die Journalisten hielten sich daran.

Deshalb sind so wichtige Themen wie Rente, Bildung, Dieselgate und die Folgen für die Verbraucher, Steuern und Sozialabgaben, Niedriglohnsektor, Umstieg auf die E-Mobilität und seine Folgen für den Industriestandort Deutschland nicht behandelt worden. Stattdessen die läppische Frage von Frau Maischberger, ob beide in der Kirche waren.

Es ist gerade gegenüber den Jüngeren unter uns respektlos, zum Beispiel nicht über die Rente diskutieren zu wollen.

Im Gegensatz zur Union sind die Sozialdemokraten durch die hervorragende Vorarbeit von Andrea Nahles bei der Rente bestens gewappnet. Frau Merkel sieht bis 2030 keinen Handlungsbedarf, das heißt, das Rentenniveau sinkt möglicherweise auf magere 43 Prozent. Nach dem Flop der Riesterrente will die SPD das Absinken des Rentenniveaus auf unter 48 Prozent des letzten Einkommens nun stoppen. Mit dem Konzept der doppelten Haltelinie - kein Absinken der Rente unter 48 Prozent und kein Beitragssatz über 22 Prozent - wird das Vertrauen in die gesetzliche Rente wieder hergestellt.