Leserbrief

Selbstgerechtes Wissen vom Hörensagen

Zum Leserbrief „Klimaänderungen waren noch nie so schnell“ vom 10. August:

Dass Wissenschaftler sich streiten, ist ein Markenzeichen der Wissenschaft. Ein Ausbleiben von Zweifel und Skeptizismus ist unwissenschaftlich, denn Wissenschaftler sollten fortwährend alles und jedes in Frage stellen, ansonsten wird Wissenschaft zur Ideologie. Herr Ill behauptet in seinem Leserbrief recht selbstsicher, dass es „Veränderungen in so kurzer Zeit in der Erdgeschichte noch nie gab“. Woher er diese Weisheit hat, bleibt alleine sein Geheimnis.

Die Fakten sehen wie folgt aus: Zitat aus einem Statement von Prof. Stefan Rahmstorf an die Münchener Rück: „... Die Temperaturen in Grönland hatten sich wiederholt innerhalb weniger Jahre um acht bis zehn Grad erhöht und waren dann erst nach Jahrhunderten zum normalen kalten Eiszeitniveau zurückgekehrt...“ Und etwas später: „...Die Schlammschichten aus der Tiefsee, zum Teil Tausende Kilometer von Grönland entfernt, in subtropischen Breiten erbohrt und mit gänzlich anderen Methoden analysiert, verzeichneten Zacken für Zacken dieselben Klimaereignisse wie das Grönlandeis. Die dramatischen Dansgaard-Oeschger-Ereignisse vor rund 15 000 bis 50 000 Jahren waren also reale und auch sehr weiträumige Klimawechsel, die nicht nur lokal in Grönland auftraten. Inzwischen gibt es Daten von mehr als 170 Orten weltweit, in denen diese Ereignisse erkennbar sind. Hinweise fanden sich sogar in Neuseeland und der Antarktis…“

In der Sprache mäßigen

Prof. Thiede, ehemaliger Direktor des Alfred Wegner Instituts, wies in einem aktuellen Vortrag zu den Eisschilden der Polarregion ebenfalls auf diese Ereignisse hin, die bis heute noch nicht verstanden sind. Im Lichte dieser Ereignisse ist der Anstieg der globalen Temperaturen innerhalb der letzten 150 Jahre um rund ein Grad Celsius doch recht bescheiden.

Den alarmistischen Leserbriefschreibern zum Klimawandel sei angeraten, sich in ihrer Sprache zu mäßigen („Leugner“) und ihr selbstgerechtes „Hörensagen-Wissen“ vorm Publizieren gründlichst zu überdenken. Ansonsten laufen sie Gefahr, selbst irgendwelchen „Weltverschwörungstheorien“ nachzulaufen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2MJVk2a