Leserbrief

Selbstkritik kommt zu kurz

Zum Interview„Wir wollten uns integrieren – aber es wurde nicht gestattet“ vom 4. März:

Herr Osman Özay und Herr Hizir Oymak sprachen im Interview mit Anke Philipp über die Situation zurzeit, als die Moschee am Luisenring gebaut wurde und auch über Entwicklungen danach. Erinnerungen sind wichtig und berechtigte Vorwürfe anderen gegenüber sind selbstverständlich zulässig. Anhaltende Abneigungen zwischen den Gruppen sind beklagenswert.

Aber folgende Aussage macht mich zornig: „Wir wollten uns integrieren, aber es wurde nicht gestattet“. Deutsche wie türkische Behörden hemmten nach Meinung der Befragten die Entwicklung. Wenn die Stadt Mannheim gemeint ist, dann ist es eine unzulässige Zuspitzung. Es hat hier nach Anfangsschwierigkeiten ganz viele Bemühungen gegeben vonseiten der Stadt und der Bürger, unverändert bis heute!

In dem Interview kommt leider die Selbstkritik zu kurz. Noch heute fehlt die Einsicht, dass es religiöse Übertreibungen gibt, die sich in Zusammenhang mit nicht mehr zeitgemäßen Sitten und Nationalismen fatal auswirken. Eine gewisse Selbstisolierung kommt oft hinzu, das heißt, man bleibt gerne unter sich und auf Kritik reagiert man oft beleidigt. Die unklare Einflussnahme aus Ankara über die DITIB mit möglicher politischer Indoktrinierung muss auch erwähnt werden.

Was nützt es, wenn man in der Moschee schöne Räume bewundern darf, aber eine belastungsfähige modernere geistige Einstellung in schwierigen Situationen leider nur selten bemerken kann?

Klaus Mengel, Mannheim

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