Leserbrief

So kritisieren Leser den Gastbeitrag von Jungunternehmer Samuel Koch

Zum Debattenbeitrag „Wie groß ist der Generationenkonflikt heute, Herr Koch?“ vom 26. November:

Ich habe noch nie einen solchen dummen, oberflächlichen und auch beleidigenden Debattenbeitrag wie den von Herrn Koch gelesen. Ein solches Niveau ist unter der Würde Ihrer Leser – gerade auch der älteren, die ja die Stammleserschaft bilden. Es wäre Ihre Aufgabe gewesen, ein solches „Werk“ nicht zum Druck freizugeben. Das hat nichts mehr mit Sinn und Ziel der Debattenbeiträge zu tun.

Dorothea Tilger, Mannheim

Sehr geehrter Herr Koch, Ihre Engstirnigkeit verleiht Ihnen womöglich die Fähigkeit, mit beiden Augen durch ein Schlüsselloch zu gucken. Ich kann es nicht fassen, wie meine Generation 50 plus aktuell von der heutigen Jugend angegriffen wird. Äußerungen wie „unsere Scheinwelt“ oder „unser Egoismus“ machen mich fassungslos. Ihre Eltern, die Sie hier auch beleidigen, meine Generation – Ihre Großeltern – und viele Generationen davor, haben dazu beigetragen, eine Welt zu erschaffen, in der Sie heute leben können wie Sie es tun. Sie haben die Möglichkeit, Ihre Meinung frei kundzutun, wie beispielsweise in Ihrem Text.

Die „Untätigen“, wie Sie uns betiteln, haben in den vergangenen Jahrzehnten einiges bewiesen und sehr viel geleistet. Den Wohlstand, den Sie und die naiv demonstrierende Teenie-Generation heute genießen, haben Sie denen zu verdanken, die Sie gerade an den Pranger stellen. Schämen sollten Sie sich hierfür!

Nach Ihrem Bericht sollten Sie sich in der Pflicht sehen, für das Allgemeinwohl etwas zu tun, nicht durch kritische angreifende Berichte oder Demos. Nein, Sie sollten anpacken. Bauen Sie ein Unternehmen auf, gegründet haben Sie ja, damit alleine ist es nicht getan! Schaffen Sie Arbeits- und Ausbildungsplätze, zahlen hier Ihre Steuern und leisten Ihre Sozialabgaben, engagieren Sie sich auch sozial, gründen Sie eine Familie und übernehmen endlich Verantwortung!

Willi Kuntz, Mannheim

Wie kann man eine ganze Elterngeneration in derart arroganter und überheblicher Weise abfertigen! Vielmehr scheint mir Herr Kochs „gepriesene Freiheit des Internets“ verlogen. Warum leiden immer mehr Jugendliche unter gesundheitlichen Störungen (Rückenproblemen, Stoffwechselstörungen und depressiven Verstimmungen), die eigentlich in späteren Jahren bisher auftraten. Diese sogenannte Freiheit ist meines Erachtens eher eine Abhängigkeit mit Suchttendenzen.

Ich selbst gehöre wohl zu der „Entschleunigungsgeneration, die den Fortschritt ausbremst“. Ich habe fast 45 Jahre im Schuldienst gearbeitet (spreche fünf Sprachen) und die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt im Kollegium war immer von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägt.

Die Verunglimpfung der Elterngeneration ist unverschämt. Internet und Smartphone (Herr Softwareschnösel) sind hilfreich, um kommunikative Strategien entwickeln zu können und bestmögliche informative Kompetenz. Aber unseren Lebensinhalt ausschließlich darauf auszurichten, ohne ganzheitliche psychologische und philosophische Aspekte, ohne Kunst und Musik bedeutet eine geistige und seelische Unterversorgung! Meine Antwort auf „Die Welt, die ihr nicht mehr versteht“ lautet: Gott sei Dank!

Angelika Peres-Mayer, Edingen-Neckarhausen

Schon beim Lesen der Überschrift „…Die Welt verändert sich rasend schnell – und nur die Jungen können sie fit für die Zukunft machen …“ beeindruckt der Autor: 25 Jahre, Informatikstudium, Firmengründer/Startup, Planung einer eigenen Universität und Buchautor – was könnten seine Eltern stolz auf ihn sein, hätte er doch auch soziale Kompetenz und etwas Demut mit auf den Weg bekommen. Hätte ich einen solchen Sohn – ich würde mir die Frage stellen: Was lief in der Erziehung falsch?

Ich selbst bin Jahrgang 1965, voll berufstätig und Leistungsträger dieser Gesellschaft. Mit Sicherheit steht unsere Gesellschaft bedingt durch Globalisierung/Digitalisierung vor großen Herausforderungen – aber nicht nur die Generation Y wird diese bewältigen – auch die „ältere“ Generation trägt ihren Teil dazu bei. Noch ein Hinweis für Herrn Koch: Digitalisierung gab es schon immer zum Beispiel Brailleschrift, Morsecode und vieles mehr!

Meiner Generation wünsche ich, dass wir uns von solchen „Schnöseln“ nicht weiter drangsalieren und gängeln lassen – unsere und alle vorherigen Generationen haben bis heute viel geleistet und Deutschland in der Welt weit nach vorne gebracht – das soll ein 25-Jähriger mit obengenannter Vita erstmal verinnerlichen.

Reiner Schramm, Edenkoben

Eine schöne neue Welt verspricht Samuel Koch allen, die sich von dem unaufhaltsamen Strom der digitalen Revolution mitreißen lassen und sich nicht mehr länger an ein Ufer klammern. Vielleicht müsste ich auch mal, wie er, im Sommer an die Donau fahren und mich bis an die Hüfte in ihre Strömung stellen, um seine Erkenntnisse besser nachvollziehen zu können. Ob das auch im Rhein funktioniert?

Gerhard Noack, Mannheim

In allen Generationen und zu allen Zeiten hat es unterschiedliche Auffassungen vom Leben und vom Zustand der jeweiligen Gesellschaft gegeben. Diese Konflikte sind gut und notwendig, damit junge Menschen sich abgrenzen und ihre eigene Vorstellung vom Leben und Zusammenleben entwickeln können. Dass dieser Konflikt erst heute massiv in unserer und der unserer Kinder auftritt und wir uns komplett auseinandergelebt haben, halte ich für völlig übertrieben.

Die digitale Revolution hat nicht erst heute und mit der Generation Samuel Koch begonnen. Sie wurde bereits 1975, mit der Gründung von Microsoft und Bill Gates in die Wege geleitet. Firmengründungen wie Google/Alphabet, Facebook, Amazon, um nur einige zu nennen, waren maßgeblich für die digitale Revolution der heutigen Zeit verantwortlich. Und dieser Generation wird unterstellt, sie ergehe sich in kulturpessimistischen Abhandlungen, großem Gejammere und Verweigerung.

Der Nobelpreis für Medizin 2018 wurde James P. Allison verliehen. Aufgrund seiner Forschungen wurden Krebsmedikamente entwickelt und sind im Einsatz. Weitere sind weltweit in der Entwicklung. Der Mann ist im übrigen Jahrgang 1948. Das zum Thema Meditation, Yoga oder Slow Food, mit dem sich unsere Generation, nach Meinung von Herrn Koch, hauptsächlich beschäftigt.

Und jetzt zum Thema Freiheit, Ketten, Haus, Auto und so weiter. Eine selbstherrliche, arrogante Abhandlung der Dinge. Meine Generation hat nicht geheiratet aus romantischer Illusion oder sozialem Druck, sondern weil wir ganz einfach zusammen bleiben wollten. Mit Heiratsurkunde. Ehevertrag ist etwas anderes. Sollte Herr Koch vielleicht mal googeln, damit er weiß, über was er schreibt. Viele hätten oder haben auch ohne Heirat zusammen gelebt. Die Heiratsurkunde gab lediglich die gesetzliche Sicherheit, jederzeit auch rechtlich für den Partner da zu sein. Aber offensichtlich ist für die Generation Koch, für die er so allumfassend spricht, das Unverbindliche wichtiger. Nicht festlegen, keine Verantwortung, tun und lassen können, was man will. Dazu passt auch seine negative Bewertung „Haus auf Pump“. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, dass er der von ihm gegeißelten Gier und Rücksichtslosigkeit (Wohnung zur Miete) damit entgehen könnte.

Die Behauptung, dass die Machtablösung (man beachte die Wortwahl) durch die Generation Koch das größte, globale Friedensprojekt aller Zeiten sei, schlägt dem Fass dann den Boden aus. Sehr nett und verständnisvoll finde ich allerdings sein Angebot, noch von ihm und seiner Generation lernen zu dürfen, falls meine biologische und psychologische Entwicklung das noch zulässt. Leider muss ich ablehnen, da ich die mir verbleibende Zeit nicht an Menschen, die glauben, Sie seien das Gelbe vom Ei und die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, verschwenden möchte!

Zum Abschluss würde mich allerdings wirklich interessieren, auf was Herr Koch seine Sicht der Dinge gründet, was er maßgeblich für sich und seine Generation geleistet hat. Dass er sich hochtrabend als Schülerlobbyist bezeichnet? Dass er Startup Challange Austria ins Leben gerufen hat? Ein Unternehmen, das Firmen wie Porsche die Möglichkeit gibt, sich mit jungen, intelligenten Köpfen auszutauschen und von deren Ideen zu profitieren? Braucht Porsche ja dringend! Oder weil er ein Buch geschrieben und in einem kleinen, österreichischen Selbstverlag veröffentlicht hat?

Birgit und Klaus Geiger, Mannheim

Wenn arrogante Hybris, erschreckende Ahnungslosigkeit beziehungsweise Abwertung der dem eigenen Status in jeder Hinsicht zugrundeliegenden Bedingungen und geradezu grotesk reflexionsfreie Naivität eines vermeintlich selbstbestimmten Unterwerfungswillen unter die Vorgaben eines nicht banaler zu denkenden Fortschrittsbegriffes zusammentreffen: Dann sind wir in der „ungebremst“ polemischen Welt des Schüler-Lobbyisten Samuel Koch. Selten hat sich ignoranter Hochmut so ungeniert wie ungewollt selbst entlarvt.

Axel Müller, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2oAkANW

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