Leserbrief

So sehen Leser die neue Fassade der Mannheimer Kunsthalle

Zum Thema Kunsthalle-Fassade:

Bei der Diskussion, ob die Fassade des Neubaus der Kunsthalle sich harmonisch in das Gesamtensemble des Friedrichplatzes einfügt, sollte man nicht den Fehler machen, vorwiegend nach dem persönlichen Geschmack zu urteilen und den Bau danach zu befürworten oder abzulehnen, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, denn Geschmack ist subjektiv. Vielmehr sollte man objektiv an das Problem herangehen.

Man analysiert, welche Gemeinsamkeiten die Bauten des Friedrichsplatzes haben, so dass der Platz als Einheit empfunden wird. Beim Friedrichsplatz ist es eine gewisse Größe der Gebäude, der Buntsandstein, angedeutete kleine Dächer, runde Formen bei den Nachbargebäuden, das Grün mancher Dächer und Balkone. Wenn man also einen Neubau errichtet, der sich einfügen soll, sollte man diese Dinge berücksichtigen. Wenn man sie nicht berücksichtig, wird der Bau vom Betrachter als Fremdkörper empfunden.

Die Größe des Neubaus ist den Nachbargebäuden in etwa angepasst, was bei dem Vorgängerbau nicht der Fall war. Hier ist mit dem Neubau - so empfinde ich es inzwischen - eine Verbesserung eingetreten. Was das Baumaterial betrifft, so bin ich mit dem Kommentator nicht einer Meinung. Dieser schreibt: "Aber man darf 2017 nicht bauen wie 1907. Ein Sandsteinbau, ob mit hellem Material wie am Wasserturm und Maritim oder mit roten Quadern wie am Rosengarten und den Arkadenhäusern, wäre eine billige Kopie gewesen, die niemals an die Originale herangereicht hätte." (Artikel vom 13. Oktober). "Gerade ein Kunstmuseum müsse ,in moderner Architektursprache' entstehen." (Artikel vom 5. Juli).

Ich verstehe nicht, was hier mit "billiger Kopie, die niemals an die Originale herangereicht hätte" gemeint sein soll. Gerade dann, wenn ein Bauwerk "hochwertig" wirken soll, werden doch - auch in Deutschland - Verkleidungen aus Naturstein der unterschiedlichsten Arten verwendet. Glatte Buntsandsteinplatten, weiß-rot gemasert, sind modern und abwechslungsreich zugleich. Billig sind sie nicht, aber wahrscheinlich preiswerter und besser zu reinigen als die grauen Betonplatten und der Metallvorhang mit seinen hohen Anschaffungs- und Folgekosten wie Reinigungen und zu erwartenden Reparaturen.

Ich mache ferner darauf aufmerksam, dass in Frankfurt 2017 in zentraler Lage am Römerberg das neue historische Museum eröffnet wurde, bei dem auf unterschiedlichste Weise zeitgenössischen Architekten der Bundstandstein als Außenverkleidung verwendet wurde. Der Kommentator wählte für seine Überschrift vom 5. Juli die Worte "Klein Klotz". Und der Schlusssatz lautete: "Aber dass hier kein monolithischer Klotz, sondern ein schön gegliederter, luftiger Bau entstand, sieht man schon." Ich sehe das leider nicht so - und wahrscheinlich auch andere Mannheimer, die von der Gartenanlage des Friedrichsplatzes auf den Neubau blicken.

Die Online-Umfrage - Stand 15. Oktober - spricht ja eine deutliche Sprache: 72 Prozent der Teilnehmer halten die Fassade der Kunsthalle für nicht gelungen. Dass man den Neubau als Klotz empfindet, legt unter anderem an dem fehlenden Dach. Man hätte ein kleines schräges Dach andeuten können, und schon wäre der Bezug zu den Nebengebäuden hergestellt gewesen. So hat man es in der Innenstadt Münchens gemacht, so unlängst auch bei Neubauten vor dem Schwetzinger Schloss. Die Andeutung eines kleinen schrägen Dachs hätte das erwünschte Flachdach mit dem Oberlicht verdeckt, und der Neubau hätte sich harmonischer ins Ensemble eingefügt.

Ich fasse zusammen: Da es objektiv zu wenige Gemeinsamkeiten mit den Nachbargebäuden des Friedrichsplatzes gibt, empfinde ich die Außengestaltung des Neubaus als gescheitert. Ob mir der Bau an sich gefällt oder nicht gefällt, ist völlig unerheblich. Auch kann und werde ich nichts über seine Eignung als Kunsthalle sagen.

Der Kommentar von Stefan Dettlinger spricht uns aus der Seele. Mit dem Wiederaufbau des Friedrichplatzes nach den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg hatte Mannheim wenigstens ein geschlossenes Jugendstil-Ensemble. Schon der Mitzlaff-Bau war architektonisch ein Fehlgriff. Schade, dass mit der neuen Gestaltung der Kunsthallen Fassade wieder einmal das Jugendstil-Ensemble des Friedrichsplatzes gestört worden ist. Es geht hier nicht um historisierendes Bauen, aber ein funktionaler Klotz passt wohl eher in ein Gewerbegebiet. Die abweisende Fassade lädt nicht gerade zum Besuch des Museums ein.

Dass die Kunsthalle einen Neubau bekam, das ist wunderbar. Doch zur Fassade: Warum nicht mit einer Glas-Verspiegelung, wo sich der Friedrichspark hätte darin präsentieren können? Das Ganze wirkt jetzt wie ein Klotz. Haben wir nicht schon zwei Bauklötze in der Freßgasse und in der Breiten Straße?

Ist die Fassade der neuen Kunsthalle gelungen? Nein, sagen da viele und schließen sich damit der Meinung von Herrn Dettlinger an. Einen "magischen Ort", eine "Kathedrale der Gegenwart", einen "Kracher für Mannheim" hatte man uns versprochen. Dass der Wettbewerb mit internationalen Architekten 2012 nicht zu einem so hehren Ergebnis führen würde, war schon dadurch abzusehen, dass man drei erste Preise vergab, wohl, weil keine der eingereichten Arbeiten die hohen Erwartungen zu erfüllen versprach.

Schließlich wurde der GMP-Entwurf ausgewählt. Der hätte schon im ersten Wettbewerbsdurchgang ausscheiden müssen, weil er einige Bedingungen, unter anderem den vorgegebenen Kostenrahmen, nicht berücksichtigte. Nachdem der Architekt seinen Entwurf dann um ein Kellergeschoss verbilligen musste, durfte er bauen. Dass sich das neue Bauwerk nicht in dem Maße in die Umgebung des Friedrichsplatzes einfügen würde, wie es von Anfang an gefordert war, war abzusehen. Viele Stimmen - auch von renommierten Fachleuten - haben damals darauf hingewiesen. Während alle historischen Bauten in der Nachbarschaft - abgesehen von den Bausünden links vom Rosengarten - fein gegliederte Fassaden zeigen, erscheint die neue Kunsthalle eher wie ein Block aus einem Guss.

Dabei besteht sie doch aus mehreren übereinander gestapelten Ausstellungssälen, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Diese Gliederung hätte man nach außen deutlich zeigen können. Dass man den Bau dann noch mit diesem unnötigen Drahtnetz überzogen hat, lässt ihn endgültig als Quader erscheinen. Daran ändern auch die verzweifelten Bemühungen um die Kupferfarbe nichts. Und wenn wir nun auf die versprochenen Lichteffekte warten: Wer wird sie in der Nacht ansehen? Gut gemeint - schlecht gemacht!

Dieser riesige, eckige Klotz passt überhaupt nicht in die schöne Umgebung am Friedrichsplatz, weder passt die Größe, noch passen die harten Kanten mit dem Flachdach, noch Material (Beton) und Farbe! Wo der Mitzlaff-Bau Luft ließ, verdeckt dieses Monstrum die schönen, alten Gebäude im Hintergrund. Das Gitter ist so dünn ausgefallen, dass es fast gar nicht in Erscheinung tritt! Auch blinkt nichts an dem Gittervorhang, und da Kupfer matt und die Fassade schmutzig wird, blinkt in Zukunft noch viel weniger! Überhaupt nichts Neues passt zum alten Bestand! Da wurde leider mit viel Geld ein schrecklich störender Fremdkörper geschaffen!