Leserbrief

Zum Thema Badeverbot im Rhein

Sog und Wellen als Vergnügen

Was waren es noch für schöne Zeiten nach dem Krieg am Mannheimer Strandbad und was tummelten sich für Menschenmassen auf den Strandflächen und in den Rheinfluten. Leider wurde mit den Jahren die Wasserqualität immer schlechter, so dass man das Baden im Rhein vereitelt bekam. Das Interesse am Mannheimer Lido ließ somit immer mehr nach und der die Umwelt belastende Ferntourismus löste ihn ab.

Das Schwimmen im Rhein war für mich immer angenehm und nicht so anstrengend wie in einem stehenden Gewässer. Erst wenn man sich mit der Rheinströmung treiben lässt, dann stellt man fest, was für ein Erlebnis diese Art von Schwimmen bedeutet. Folglich bin ich all die Jahre weiter im Rhein geschwommen. Niemals, ich betone niemals, war die Strömung in all den Jahren für mich gefährlich gewesen. Natürlich hat die Rheinströmung genügend Kraft, jemanden mitzureißen, der weit genug im Wasser ist, und kann einen Nichtschwimmer oder schlechten Schwimmer in Schwierigkeiten bringen. Aber eine Gefährdung der Nichtschwimmer ist schließlich in allen natürlichen Gewässern gegeben und Strudel, die Schwimmer am Strandbad in die Tiefe ziehen, sind wirklich nur Seemannsgarn.

Frau ertrunken

Aus den Medien war nun zu erfahren, dass eine Frau im August am Strandbad ertrunken ist. Es heißt, dass es zu lange gedauert hätte, bis rettende Hilfe zur Stelle war. Damals als es noch einen geregelten Badebetrieb mit Aufsicht am Strandbad gab, war immer schnelle Hilfe vor Ort. Jedenfalls lag stets ein Boot auf dem Strand, und wenn die Badeaufsicht auf ihren Hochsitzen mit dem Fernglas feststellte, dass jemand in Not war, dann fuhr das Boot sofort zu dieser Stelle. Der tragische Tod dieser Frau beweist folglich, dass sich die Menschen nicht vom Schwimmen im Rhein abhalten lassen und ohne Aufsicht sind weitere Opfer zu befürchten. Man hat den Eindruck, die Stadtverwaltung entzieht sich aus Kostengründen ihrer Verantwortung und das Sicherheitsdenken wird, wie geschehen, zum Gegenteil dessen, was man erreichen will.

Immer wieder wird behauptet, die Schifffahrt wäre wesentlich gefährlicher als in früherer Zeit. Aber wenn ich mich an die großen Schlepper erinnere, die etliche Kähne im Schlepp hatten, was konnten diese für einen Sog und anschließende Wellen erzeugen. Sog und Wellen, die für uns Kinder ein großes Vergnügen waren. Wenn man sah, dass ein Schlepper kommt, ist man der Wellen wegen ins Wasser gesprungen.

Im Gegensatz zu früher wird heutzutage ohnehin versucht, dass die Binnenschiffe möglichst geringe Wellen erzeugen, um die erodierende Wirkung in der Uferzone zu mindern. Allerdings sind die Schiffe heute wesentlich schneller als damals. Dadurch besteht eine Gefahr für Schwimmer, die sich innerhalb der Schifffahrtslinie bewegen. Aber ein Schwimmen dem Strandbad entlang ist wie ehedem nicht gefährlich. Man muss eben schwimmen können.

Auf eigene Gefahr

Ich bitte die Stadtverwaltung daher, einen geregelten Sommerbadebetrieb am Strandbad wieder herzustellen - so wie es einst war. Warum soll das, was damals möglich war, heute nicht mehr möglich sein? Wenigstens auf eigene Gefahr, was auch auf Hinweisschildern am Strandbad bekundet werden kann. Die Erhaltung unserer individuellen Freiheit ist ein sehr wichtiges und hohes Gut. Sie darf nicht durch vorauseilende, überzogene Verbote in Bevormundung, Gängelung und Freiheitsbeschränkung enden.

Der Rhein gehört doch schließlich uns allen, auch denen, die dort schwimmen möchten.