Leserbrief

Soli abschaffen

Zum Artikel „Groko senkt Mehrwertsteuer“ vom 4. Juni:

Die Reduzierung der Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli bis 31. Dezember wurde von der Politik als DER große Clou propagiert, um damit die Nachfrage und somit die Wirtschaft anzukurbeln. Nur ist dieser Effekt wirklich zu erwarten? Bei Lebensmitteln sinkt der Satz von sieben auf fünf Prozent.

Beschränkte Anschaffungen

Bei einem Einkauf von 50 Euro wäre dies eine Ersparnis von rund einem Euro. Also wahrlich kein Betrag, der zu weiteren Einkäufen animiert. Bei einer Waschmaschine zum Preis von 499 Euro wäre dies eine Ersparnis von rund 13 Euro. Ist dies ein Anreiz eine neue Maschine zu kaufen? Wohl kaum, zumal in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit (Kurzarbeit, steigende Arbeitslosenzahlen) derartige Anschaffungen auf das Allernötigste beschränkt werden.

Und ob diese Reduzierung wirklich weitergegeben wird, ist fraglich, da die Preise oft so nicht transparent sind. Diese Änderung betrifft ja nicht nur den Handel, sondern die gesamte Wirtschaft, Handwerk, Selbstständige und so weiter. Nur haben diese davon keinen Vorteil, da dort nur mit netto gerechnet wird. Was bleibt, ist ein riesiger bürokratischer Aufwand für alle. Die Absicht war löblich, nur wurden die Auswirkungen nicht bis zum Ende bedacht beziehungsweise überbewertet. Wenn überhaupt ist einzig der Handel ein Profiteur.

Jeder mehr in der Tasche

Warum wurde nicht stattdessen ein überfälliges Versprechen eingelöst: die sofortige Abschaffung des Solis. Damit hätte jeder mehr Geld in der Tasche und dies ohne bürokratischen Aufwand, also ohne extra Kosten. Im Jahr 2019 war das Aufkommen aus dem Soli 19 Milliarden Euro. Wenn dieser Betrag in den Wirtschaftskreislauf einfließt, ist schon mit einer deutlichen positiven Auswirkung zu rechnen. Und das nicht nur temporär, sondern auch in den Folgejahren. (von Rainer Tiede, Biblis)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2YakUlz